Die USA werfen Syrien vor, die vereinbarte Waffenruhe nicht einzuhalten. Das Regime in Damaskus respektiere auch andere Teile des Sechs-Punkte-Plans nicht, sagte Mark Toner, stellvertretender Sprecher im Außenministerium. Es erlaube keine friedlichen Demonstrationen und lasse keine politischen Gefangenen frei. Die Nachrichten, die derzeit aus Damaskus kommen, seien nicht gut.

Weiterhin fänden vereinzelte Kämpfe statt. Außerdem gebe es aus der Stadt Homs Berichte über Granatbeschuss durch Regierungstruppen, sagte der Sprecher. Es sei "ganz klar", dass der syrische Machthaber Baschar al-Assad die mit dem UN-Sondergesandten Kofi Annan ausgehandelten Punkte nicht einhalte.

Wie Aktivisten mitteilten, wurden am Montag landesweit 27 Menschen von den Truppen des Regimes getötet. Mehr als 50 Aktivisten seien verhaftet worden. Regimegegner und syrische Menschenrechtler berichteten, zwei Viertel der Stadt Homs seien mit Granaten beschossen worden. In der Stadt Hama sollen in der Nacht zwei Zivilisten in ihrem Auto erschossen worden sein. Aus Idlib wurden Gefechte zwischen Deserteuren und Regierungstruppen gemeldet. In mehreren Städten habe es Proteste gegen Assad gegeben.

Die UN-Beobachter nahmen derweil offiziell ihre Arbeit auf. Doch bis sie in die Konfliktgebiete gelangen können, wird es voraussichtlich noch einige Tage dauern. "Zuerst muss zusammen mit den syrischen Behörden ein Protokoll vereinbart und unterzeichnet werden", sagte ein Mitglied des fünfköpfigen Vorauskommandos. In dem Protokoll sollen die Aufgaben und Befugnisse aller Beteiligten festgelegt werden.

Die Souveränität des Landes dürfe durch den Einsatz der UN-Beobachter nicht verletzt werden, schrieb die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Ansonsten habe die Regierung von Präsident Baschar al-Assad nichts gegen die Präsenz der Beobachter. Vielmehr hoffe sie, dass diese die Machenschaften der "bewaffneten terroristischen Banden" offenlegen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, es sei die Verantwortung Syriens, die Bewegungsfreiheit der Beobachter zu garantieren.

Auf das erste Vorausteam sollen später noch etwa 25 weitere Beobachter folgen . Insgesamt wollen die Vereinten Nationen etwa 250 Militärbeobachter schicken. Ihre Aufgabe ist es, den Truppenabzug aus den Städten und die Waffenruhe zu überwachen. Beides ist Teil des Friedensplans.

Außenminister Guido Westerwelle forderte die syrische Führung auf, den Sechs-Punkte-Plan vollständig umzusetzen. Es gehe nicht, einzelne Punkte herauszugreifen. "Die syrische Regierung ist in der Verantwortung, die Gewalt komplett einzustellen."