Zabadani ist im Belagerungszustand. Mit drei massiv bewachten Checkpoints hat die syrische Armee an der einzigen Zufahrtsstraße Position bezogen. Niemand, der dem Regime nicht genehm ist, kommt hier her oder gar aus Zabadani hinaus. Die Stadt in den Bergen nahe des Libanon liegt nur dreißig Kilometer von Damaskus entfernt. Blühende Obstgärten und die verlassenen Villen reicher Damaszener säumen die Straße. Ein bizarrer Kontrast zu der von schweren Panzerketten zermalmten Fahrbahn.

Neben Homs, Idlib und Dara zählt die 40.000-Einwohner-Stadt zu jenen Orten, in denen der Aufstand der syrischen Opposition zu einem phasenweise sehr harten Bürgerkrieg eskalierte. Und eskaliert. Denn auch jetzt, Tage nach Beginn des Waffenstillstandes, werden von hier immer wieder mit Handyvideos Ausschreitungen und Schüsse auf Demonstranten dokumentiert.

Die Erlaubnis des Informationsministerium für einige Medien, darunter ZEIT ONLINE, in Zabadani für einige Stunden frei zu arbeiten, ist ein Unikum. Obwohl der Sechs-Punkte-Plan Kofi Annans, dem der syrische Präsident Baschar al-Assad zugestimmt hat, eigentlich Bewegungsfreiheit für die internationale Presse vorsieht, sind die Unruhezonen Syriens weiter tabu. Das sind Idlib, Hama sowie Homs, das nach wie vor unter heftigem Beschuss steht.

Ohne Begleiter der syrischen Regierung werden die Checkpoints vor diesen Städten für die Reporter zur Endstation. Aus "Sicherheitsgründen" werden solche Eskorten verweigert. Doch für Zabadani gab es eine Ausnahme: Begleiter kamen mit, warteten aber in ihren geparkten Autos.

Das Leben in der Stadt selbst verläuft heute schallgedämpft, das Obst wird im Flüsterton verkauft. In einem jetzt geschlossenen Restaurant tranchieren junge Männer still ein Schaf. Jedes Schaufenster der Geschäftsstraße Zabadanis ist von den Kämpfen beschädigt. Und auf die Fragen der Reporter wird anfangs eisern geschwiegen.

UN-Mission wird nicht mit offenen Armen empfangen

Die Hände der Ärztin zittern, als sie es als Erste wagt, zu reden. "Ich bin Doktor Mona. Das muss reichen." Jedes ihrer Worte ist ein Schritt auf dünnem Eis: "Kann ich Ihnen wirklich vertrauen? Wirklich?" – "Wir können die Verletzten nicht behandeln, wir haben keine Mittel. Und selbst wenn wir sie hätten: Alle Ärzte, die das gewagt haben, sind sofort verhaftet worden. Sie müssten in meiner Klinik sehen, was dort los ist."

Die Scheibe ihres Autos ist von einem Schuss durchlöchert worden. Nur ein paar Zentimeter oberhalb der Motorhaube. Es sei gerade noch gut gegangen, sagt die Frau. Sie mag vierzig sein, ihr Kopftuch ist eng gezogen. Immer wieder steigen ihr Tränen in die Augen, das sorgfältige Makeup zerfließt, ihre Sätze stocken. "Unsere Nerven. Sie liegen blank. Es ist wie ein Schockzustand, der nicht aufhört. In der Woche vor dem Waffenstillstand starben hier 39 Menschen." Ob die Waffenruhe hält? "Ich höre jede Nacht Schüsse," sagt sie.

Oppositionsgruppen im Ausland berichten von vielen Verletzten in Zabadani, von größeren Anti-Regierungsdemonstrationen, vor allem nachts. Trotz der Waffenruhe. Nichts davon lässt sich in ein paar Stunden vor Ort verifizieren. Die Arbeit der Reporter hier ist ein Vorgeschmack auf die Hürden, die sich der Arbeit der UN-Beobachter in diesen Tagen stellen. Dazu kommt, dass sie, zumindest hier in Zabadani, keineswegs mit offenen Armen empfangen werden dürften.