Le Figaro (Frankreich): " Nicolas Sarkozy braucht einen neuen Aufbruch. In erster Linie wird es ein Aufbruch der Wähler von Marine Le Pen sein, die trotz des Erfolgs ihrer Kandidatin beim zweiten Wahlgang allein sein werden. Die Vorsitzende der Nationalen Front (FN) hat keine Wahlempfehlung für Sarkozy oder Hollande gegeben, und trägt daher die schwere Verantwortung, den Sieg des sozialistischen Kandidaten zuzulassen. Die große Mehrheit der FN-Wähler der ersten Runde wird keine andere Wahl haben, als Sarkozy zu wählen, um Hollande zu verhindern. Es ist jetzt die große Herausforderung für Sarkozy, die richtigen Sätze, Überzeugungen und Zusicherungen zu finden, die alle Franzosen zusammenschließen, damit der Élysée am 6. Mai nicht an die Linke übergeben werden muss."

La Croix (Frankreich): "Nach der üblichen Wahl-Arithmetik könnte François Hollande am 6. Mai die Wahl gewinnen. Doch man kennt die Kämpfernatur von Nicolas Sarkozy. Er wird nichts unversucht lassen. Die Wahlempfehlungen der abgeschlagenen Kandidaten werden sehr genau geprüft werden. Es besteht die Gefahr, dass im Kampf um Wählerstimmen beide Kandidaten sich gegenseitig überbieten oder lähmende Allianzen eingehen. Nach dem 6. Mai wird der neue Präsident ein Programm für alle Franzosen aufstellen müssen. Er wird handeln und schmerzhafte Entscheidungen treffen müssen, und vor allem wird er die Wahrheit sagen müssen: Über den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, den Abbau der öffentlichen Schulden und die Rückkehr zum Wachstum."

The Times (Großbritannien): "Die Zukunft von 'Merkozy', dieser Hydra am Steuer der Europapolitik, ist in engster Gefahr. Die Verbindung dieser beiden Köpfe, Nicolas Sarkozy und Angela Merkel , war sachlich, aber nicht herzlich, und hat dazu beigetragen, die Märkte von Härte und Dynamik im Herzen der Eurozone zu überzeugen. 'Merkande' (Angela Merkel und François Hollande) oder vielleicht 'Frangela', könnte eine ganz andere Perspektive bieten. Es gibt langfristige Strukturprobleme, die nicht länger ignoriert werden können, ob die Eurozone in ihrer gegenwärtigen Form weiterbesteht oder nicht. 'Frangela' ist eine Einheit, die noch nicht auf die Probe gestellt wurde. Sollte dieses Wesen bald seine zwei Köpfe erheben, dürften diese nicht lange zusammenbleiben."

Neue Züricher Zeitung (Schweiz) : "Die Extremparteien Frankreichs gehen deutlich gestärkt aus diesen Wahlen hervor. Am rechten Rand hat die neue Vorsitzende des Front National , Marine Le Pen, das beste Ergebnis in der Geschichte ihrer Partei erzielt und damit auf Anhieb ihren Vater in den Schatten gestellt. Auf der gegenüberliegenden Seite haben die kommunistisch angehauchten Gruppierungen ihren Stimmenanteil fast verdoppelt. Zusammen haben diese beiden extremen Blöcke fast ein Drittel der Wählerschaft verführt - der zweithöchste Anteil seit der Einführung der Volkswahl des Präsidenten vor einem halben Jahrhundert. Das ist ein denkbar schlechtes Zeichen für den Zustand der französischen Gesellschaft, aber auch ein Warnsignal für den künftigen Staatschef, ob dieser Sarkozy oder Hollande heissen wird."

Kurier (Österreich): "Seine Aufholjagd kann Sarkozy aber nur gelingen, wenn er die Wähler von Marine Le Pen auf seine Seite zieht, ohne die Anhänger des Zentrumskandidaten Bayrou zu vergraulen. Dass Le Pen auf 18 Prozent kam, ist umso beachtlicher, als Sarkozy selber eine rechtslastige Kampagne führte. Trotz dieser ideologischen Nähe dürften jene Le Pen-Wähler, die sich als "System"-Gegner verstehen, gegen Sarkozy stimmen. Der Sozialist Hollande, der bisher den Überdruss gegenüber Sarkozy als ausreichende Wahlkampfgrundlage betrachtete, wird sich jetzt stärker exponieren müssen. Das könnte Hollande schwer fallen."