Die Entscheidung im Kampf um die Nachfolge des entmachteten ägyptischen Langzeitpräsidenten Hosni Mubarak verzögert sich. Der Kandidat der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi , hat zwar die erste Runde der Präsidentenwahl in Ägypten für sich entschieden. Er muss sich allerdings am 16. und 17. Juni einer Stichwahl mit dem Zweitplatzierten , dem früheren Mubarak-Ministerpräsidenten Ahmed Schafik , stellen.

Ein Mitglied der Wahlkommission sagte, Mursi und Schafik lägen nach der Auszählung von 90 Prozent der Stimmen mit Abstand vor den Mitbewerbern. Das offizielle Ergebnis der Wahl werde indes erst am Sonntag veröffentlicht.

Die Stichwahl zwischen den beiden Politikern hatte sich schon früher abgezeichnet. Schon nach Auszählung von 42 Prozent der abgegebenen Stimmen lag Mursi bei 24 Prozent, berichtete die Webseite der staatlichen Zeitung Al-Ahram . Auch die unabhängige Al-Masry Al-Youm sah den Islamisten mit 28 Prozent an erster Stelle unter den zwölf Kandidaten, die bei der Wahl am Mittwoch und Donnerstag zur Wahl gestanden hatten.

Der Kandidat der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, in Kairo © Khaled Desouki/AFP/Getty Images

Mursi ist ein studierter Ingenieur, der als wenig charismatisch gilt. Ursprünglich waren ihm deshalb wenig Chancen zugestanden worden. Seine Organisation schickte ihn als Ersatzmann ins Rennen, nachdem die Wahlkommission den in der Bruderschaft populären Chairat al-Schater von der Wahl ausgeschlossen hatte. Mursi saß für die Muslimbrüder von 2000 bis 2005 im Parlament. 2011 wurde er Vorsitzender der neuen Partei der Bruderschaft (Partei für Freiheit und Gerechtigkeit). Er gehört dem konservativen Flügel der Bewegung an, steht al-Schater nahe und wirbt für eine "islamische Renaissance".

Der ehemalige Premierminister Ahmed Schafik © Khaled Desouki/AFP/Getty Images

Ahmed Schafik, Mursis Gegenkandidat in der Stichwahl, war nach einer Karriere bei der Luftwaffe 2002 von Mubarak zum Minister für Zivilluftfahrt ernannt worden. Da sein Ruf weniger schlecht war als der anderer korrupter Elemente des alten Regimes, machte ihn Mubarak am 29. Januar 2011 – vier Tage nach Beginn der Massenproteste – zum neuen Regierungschef. Doch als Mubarak zurücktrat und der Oberste Militärrat im Februar die Macht übernahm, setzte die Übergangsregierung Schafik am 3. März wieder ab. Aus Sicht der sogenannten Revolutionsjugend ist Schafik ein "Überbleibsel des alten Regimes".