Nach der ersten Runde der Präsidentenwahl in Ägypten zeichnet sich eine Stichwahl zwischen dem Kandidaten der Muslimbrüder und einem früheren Gefolgsmann des langjährigen Staatschefs Hosni Mubarak ab. Nach Auszählung von 90 Prozent der Stimmen liege ihr Kandidat Mohammed Mursi weiter in Führung, teilten die Muslimbrüder mit. An zweiter Stelle liegt demnach Mubaraks letzter Regierungschef Ahmed Schafik .

Laut den Muslimbrüdern hatte Mursi bereits nach Auszählung der Stimmen aus knapp der Hälfte der Wahllokale mit 30,8 Prozent klar in Führung gelegen. Schafik kam demnach auf 22,3 Prozent, auf dem dritten Platz landete der linke Nationalist Hamdeen Sabbahi mit 20 Prozent. Schafiks Wahlkampfteam konnte die Angaben zunächst nicht bestätigen.

Die staatlichen Medien hatten zuvor von einer anderen Konstellation gesprochen. Es laufe auf ein enges Rennen zwischen Mursi, dem unabhängigen Islamisten Abd al-Monim Abu al-Futuh und dem linken Aktivisten Hamdien Sabbahi hinaus. Der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa , habe keine Chancen mehr, die Nachfolge des im Februar 2011 gestürzten Präsidenten Mubarak anzutreten, hieß es.

Stichwahl im Juni


Die offiziellen Ergebnisse der ersten Runde sollen frühestens am Sonntag veröffentlicht werden. 
Wenn, wie die ersten Ergebnisse vermuten lassen, keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht hat, kommt es am 16. und 17. Juni zu einer Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten. Der Sieger der zweiten Runde soll am 21. Juni feststehen. Danach will der seit Mubaraks Sturz im Februar 2011 regierende Militärrat die Macht abgeben. Hinter den Kulissen dürfte das mächtige Militär aber weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Nach inoffiziellen Angaben hatten sich etwa 50 Prozent der Wähler an der zweitägigen Wahl beteiligt. Ägyptische Wahlbeobachter berichteten von Stimmenkauf und Wählermanipulation in zahlreichen Wahllokalen. Beschwerden über Unregelmäßigkeiten gab es jedoch bislang nicht.

US-Außenministerin Hillary Clinton gratulierte den Ägyptern zu einer "historischen" Präsidentenwahl. "Wir freuen uns darauf, mit Ägyptens demokratisch gewählter Regierung zusammenzuarbeiten", sagte Clinton.