Aus der Parlamentswahl in Armenien ist die russlandfreundliche Republikanische Partei von Präsident Sersch Sarkissjan einer Prognose zufolge als klarer Sieger hervorgegangen. Die Regierungspartei kam laut der im privaten Fernsehsender Armenia TV veröffentlichten Prognose auf gut 44 Prozent der Stimmen. Im Vergleich zur Wahl 2007 war das ein Zuwachs von mehr als zehn Prozentpunkten.

Der Koalitionspartner der Republikanischen Partei, die Partei Blühendes Armenien des Millionärs Gagik Zarukjan, eines früheren Meisters im Armdrücken, erzielte demnach fast 29 Prozent, etwa doppelt so viel wie vor fünf Jahren. Blühendes Armenien hatte sich im Wahlkampf angesichts der sozialen Probleme im Land von der Präsidentenpartei distanziert und versucht, sich als Oppositionsbewegung zu profilieren.

Insgesamt kamen den Prognosen zufolge wie bisher mindestens fünf Parteien in das Parlament mit den 131 Abgeordneten. Unklar war noch, ob der oppositionelle Armenische National-Kongress des früheren Präsidenten Lewon Ter-Petrosjan den Einzug in die Nationalversammlung schaffte.

Die Wahlbeteiligung wurde mit 62,2 Prozent angegeben. Die etwa 2,5 Millionen Wahlberechtigten konnten unter acht Parteien und einem Block verschiedener Gruppierungen wählen. Die Wahl galt als Test für die Glaubwürdigkeit der Demokratiebestrebungen in Armenien . Kritiker hatten die Wahl aufmerksam beobachtet, nachdem die umstrittene Präsidentenwahl 2008 von blutigen Auseinandersetzungen mit zehn Toten überschattet worden war.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa ( OSZE ) entsandte etwa 350 Wahlbeobachter und will am Montag in einer Pressekonferenz ihre Einschätzung zum Wahlverlauf erläutern. Während des Wahlkampfs wurden nach Angaben der OSZE keine größeren Unregelmäßigkeiten verzeichnet.