Einen Tag nach seiner Amtseinführung hat der französische Präsident François Hollande seine neue Regierung vorgestellt. Zum Außenminister wurde der frühere Premierminister Laurent Fabius ernannt. Nicht vertreten im Kabinett ist ein politisches Schwergewicht der Sozialisten: Parteichefin Martine Aubry vom linken Flügel verzichtete auf einen Posten, nachdem das Amt des Premierministers Jean-Marc Ayrault übertragen worden war.

Einige der 34 Mitglieder des Kabinetts, das wie versprochen paritätisch mit Männern und Frauen besetzt ist, sind langjährige Weggefährten des neuen Präsidenten. So leitet der Finanzexperte Michel Sapin das Ministerium für Arbeit und sozialen Dialog, obwohl der frühere Finanzminister lange als Favorit für das Wirtschaftsministerium galt.

Das in der Eurokrise besonders wichtige Finanz- und Wirtschaftsressort wurde jedoch Pierre Moscovici übertragen, dem Wahlkampfmanager Hollandes . Dem globalisierungskritischen Arnaud Montebourg vom linken Parteiflügel wurde das Ministerium für Reindustrialisierung anvertraut.

Junge Wahlkampf-Sprecherin wird Regierungssprecherin

Ein weiterer alter Weggefährte des Präsidenten, Jean-Yves Le Drian, wurde zum Verteidigungsminister ernannt. Der neue Außenminister Fabius hingegen galt lange als ein Widersacher Hollandes. Er hatte sich 2005 gegen die EU-Verfassung ausgesprochen und damit auch gegen den damaligen Parteichef Hollande gestellt. Im Wahlkampf schlug er sich aber auf seine Seite. Zum Europaminister wurde Bernard Cazeneuve ernannt.

Wie erwartet ging das Innenministerium an Wahlkampf-Kommunikationschef Manuel Valls vom rechten Parteiflügel. Das Sozialministerium übernimmt Marisol Touraine, eine ausgewiesene Sozialexpertin. Der bisherigen Grünen-Chefin Cécile Duflot wurde das Wohnungsressort übertragen. Für Energie und Umwelt wurde die Finanzexpertin Nicole Bricq benannt.

Die erst 34-jährige bisherige Wahlkampf-Sprecherin Najat Vallaud-Belkacem steht nun an der Spitze des Ministeriums für Frauenrechte und wurde Regierungssprecherin. Das Ressort Bildung, das Hollande zu einem Schwerpunkt seiner Politik erklärt hat, übernimmt der Lehrer und Europaabgeordnete Vincent Peillon.

Premierminister Ayrault, ein ausgewiesener Deutschland-Kenner , hatte am Vormittag das Amt von seinem Vorgänger François Fillon übernommen. Die Gespräche zogen sich allerdings länger hin als zunächst erwartet. Das neue Kabinett wird am Donnerstag erstmals tagen.