"Wir haben kein Inflationsproblem", sagte Ende April der noch amtierende Finanzminister Evangelos Venizelos , Spitzendkandidat der sozialistischen Partei Pasok . Die Lohnkürzungen erzeugten lediglich "ein Gefühl der Teuerung".

Venizelos stellte einen Plan vor, mit dem er dem Preisproblem begegnen wollte. Die Bewegung der Kartoffel habe interessante Ideen dazu geliefert, sagte Venizelos und versprach die Einrichtung einer Website, die mehr Preistransparenz schaffen soll.

Die Bürger aus Katerini halten das für puren Aktionismus. "Von der örtlichen Verwaltung und Politik haben wir für unsere Initiative bisher keinerlei Unterstützung bekommen", sagt Tsolakidis und fügt hinzu: "Im Gegenteil, sie behandeln uns wie Abschaum." Der Erfolg der Gruppe lege nur die Unfähigkeit der Behörden offen, den Bürgern in der Krise einfache und direkte Hilfe zu bieten. "Deshalb mögen sie uns nicht."

Die Ablehnung des freiwilligen Bürgerengagements sehen Tsolakidis und seine Mitstreiter auch darin begründet, dass die örtlichen Behörden und die Politik derzeit einen internen Kampf um die verbliebenen Posten in der Verwaltung ausfechten und daher jede Einmischung von außen als Gefahr ansehen. Der Beamtenapparat steht ohnehin unter erheblichem Druck der internationalen Geldgeber, die einen drastischen Stellenabbau vorantreiben.

Politik und Verwaltung sind eng verflochten

"Das politische System in Griechenland hat immer die öffentliche Verwaltung überlagert", erklärt Giola Valatsou, die für die EU-Kommission in Athen die Reform der Behörden leitet. Positionen seien nicht aufgrund von fachlicher Eignung, sondern aufgrund entsprechender Parteizugehörigkeit vergeben worden. Mit der Wahl am Sonntag fühlten sich die Profiteure dieses System nun mehr denn je bedroht.

Den bisherigen Umfragen zufolge dürfte es sehr knapp werden für die beiden großen Volksparteien, die konservative Nea Demokratia und die Sozialisten von Finanzminister Venizelos. Auch gemeinsam werden sie womöglich nicht auf genügend Sitze im Parlament kommen, um eine Regierung zu bilden.

Auf dem Marktplatz in Katerini wissen viele Bürger nicht mehr, was sie über das politische System ihres Landes denken sollen. Einige wollen gar nicht erst zur Wahl gehen, obwohl diese in Griechenland gesetzlich verpflichtend ist. Sicher ist nur, dass sie sich weiter engagieren wollen – auf ihre Art.