Das Drama um die Regierungsbildung in Griechenland geht nun am Montag weiter – dabei gab es nach weiteren Krisengesprächen am Sonntag zunächst hoffnungsvolle Signale. Die linksradikale Syriza-Partei hatte verkündet, drei Parteien – Konservative, Sozialisten und die Demokratische Linke – hätten sich darauf verständigt, für zwei Jahre eine Regierung zu bilden. Doch die linksdemokratische Partei Dimar dementierte später eine Einigung: "Das ist Verleumdung und eine Lüge", teilte die Partei mit.

Am Sonntag war ein erstes Krisentreffen der großen Parteien unter Leitung von Staatspräsident Karolos Papoulias nach nur anderthalb Stunden ohne konkretes Ergebnis zu Ende gegangen. Am Abend sprach Papoulias mit den Vorsitzenden kleinerer Parteien. Nach mehreren Stunden wurden nun die Koalitionsgespräche auf Montagabend vertagt. In welcher Zusammensetzung die Gespräche fortgesetzt werden sollen, blieb zunächst offen.

Die Rechtspartei Unabhängige Griechen (AE) hat sich offenbar grundsätzlich bereit erklärt, in eine Mehr-Parteien-Regierung einzutreten oder diese zu unterstützen. Als Bedingung nannte Parteichef Panos Kammenos allerdings, dass das Sparprogramm nicht in die Tat umgesetzt werde und Deutschland Reparationen für den Zweiten Weltkrieg zahle.

Neben der AE hatte Präsident Papoulias Vertreter der Kommunistischen Partei , der Faschisten und der Demokratischen Linken getroffen. Die Kommunisten haben bereits erklärt, dass sie nicht zur Kooperation bereit sind. Mit den Faschisten will keine der anderen Parteien zusammenarbeiten.

Wie die Gespräche am Montag ausgehen, ist nicht abzusehen. Sollte eine Einigung nicht gelingen, müssten spätestens am 17. Juni Neuwahlen stattfinden.

Radikale Linke will nicht koalieren

Ein Grund für die angespannte Lage in Athen ist die Haltung des Chefs der linksradikalen Syriza, Alexis Tsipras . Er lehnte die Bildung einer großen Koalition in Griechenland weiterhin ab. Konservative, Sozialisten und die Demokratische Linke könnten auch ohne seine Partei problemlos regieren, sagte er. Ihre Forderung an das Bündnis der Radikalen Linken, unbedingt an dieser Regierung teilzunehmen, sei absurd und "unlogisch".

Die drei Parteien hätten auch ohne ihn eine Mehrheit von 168 der 300 Stimmen im Parlament, sagte Tsipras. 
Bei diesen von ihm genannten Zahlen dürfte es sich um die konservative Nea Dimokratia (ND) mit 108 Sitzen, die sozialistische Pasok mit 41 Mandaten und die linksdemokratische Dimar mit 19 Parlamentariern handeln.

"Barbarisches Sparprogramm"

Ein Grund, warum sich Tsipras nicht am Bündnis beteiligen möchte, ist die Ablehnung des griechischen Konsolidierungskurses. Im Fernsehen betonte Tsipras nochmals, das "barbarische Sparprogramm", zu dem EU und andere internationale Geldgeber Griechenland gezwungen haben, müsse beendet werden. 


Die Gespräche bei Papoulias gelten als letzter Versuch zur Beilegung der politischen Krise nach der Parlamentswahl , bei der die Wähler die regierenden Parteien ND und Pasok wegen des rigorosen Sparkurses abgestraft und Gegner der Maßnahmen – zu denen vor allem die Syriza zählt – gestärkt hatten. ND, Syriza und Pasok scheiterten seither an den Versuchen einer Regierungsbildung. Auch die Dimar forderte noch am Morgen eine Lockerung der Sparmaßnahmen.