Knapp eine Woche nach den Neuwahlen in Griechenland stehen die Chancen zur Bildung einer breiten Mehrparteienkoalition schlecht. Staatspräsident Karolos Papoulias will daher versuchen, führende Politiker des pleitebedrohten Landes doch noch zur Bildung einer tragfähigen Regierung zu bewegen.

Papoulias hat für Sonntag die Chefs der drei wichtigsten Parteien des Landes einberufen, wie das Präsidentenbüro mitteilte. An den Gesprächen sollten die sozialistische Pasok , die konservative Nea Dimokratia (ND) und die linksradikale Syriza-Partei teilnehmen. Er wolle anschließend auch mit Vertretern kleinerer im Parlament vertretener Parteien sprechen, sagte Papoulias.

Der Vorsitzende der Sozialisten, Evangelos Venizelos, gab das Mandat zur Regierungsbildung am Samstagnachmittag offiziell zurück. Präsident Papoulias äußerte sich skeptisch zu den Chancen einer Regierungsbildung in Griechenland. "Ich hoffe, dass ich zur Lösung beitragen kann", sagte er nach einem Treffen mit dem Sozialistenführer. Venizelos war es am Freitag nicht gelungen , zusammen mit den Konservativen, der kleinen Partei Demokratische Linke und den Radikallinken ein Bündnis auszuhandeln.

Streitpunkt ist die Europa-Politik: Die gemäßigten Parteien wollen Griechenland in der Euro-Zone halten – das Sparprogramm aber aufweichen. Doch der Chef des Bündnisses der Radikallinken Syrizia, Alexis Tsipras , blieb bislang hart und forderte, Athen müsse das Sparprogramm einseitig auf Eis legen.

Neuwahlen stärken die Radikallinken

Jetzt ruhen alle Hoffnungen auf dem griechischen Staatspräsidenten. Sollte auch Papoulias scheitern, finden Neuwahlen statt. Als mögliche Termine werden der 10. oder der 17. Juni genannt. Aktuelle Umfragen sehen in diesem Fall die Radikalen Linken als stärkste Partei – mit knapp 24 Prozent.



Bundesbankpräsident Jens Weidmann warnte Griechenland unterdessen davor, Verträge mit dem Internationalen Währungsfond IWF und der EU nicht einzuhalten. "Wenn Athen nicht zu seinem Wort steht, dann ist das eine demokratische Entscheidung . Daraus folgt aber auch, dass die Grundlage für weitere Finanzhilfen entfällt", sagte er der Süddeutschen Zeitung . Auch die Geberländer müssen sich gegenüber ihrer Bevölkerung rechtfertigen." Außerdem hätte ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone "für Griechenland gravierendere Folgen als für den Rest der Euro-Zone". 


Geteilte Meinung über möglichen Austritt Griechenlands

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble schloss weitere europäische Hilfen für Griechenland ausdrücklich nicht aus. "Wenn die Griechen eine Idee haben, was wir zusätzlich tun können, um das Wachstum zu fördern, kann man immer darüber sprechen und nachdenken", sagte Schäuble der Welt am Sonntag . Zugleich bestätigte er jedoch, dass sich die Bundesregierung auf einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone vorbereitet.

Im Gegensatz zu Schäuble und Weidmann hält EU-Parlamentspräsident Martin Schulz ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone für unverantwortlich. Er sagte Bild am Sonntag : "Ein Austritt Griechenlands aus dem Euro wäre sowohl für Griechenland als auch für die restliche Euro-Zone kaum verkraftbar." Er befürchtet, dass in Griechenland binnen kürzester Zeit die Wirtschaft zusammenbrechen würde. Durch diesen Totalausfall der griechischen Schulden könne es bei den europäischen Banken zu einem Dominoeffekt kommen, sagte Schulz.

Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone würde den deutschen Steuerzahler nach Berechnungen der WirtschaftsWoche geschätzte 77 Milliarden Euro kosten. Dabei wird angenommen, dass Griechenland in diesem Falle seine Schulden nicht mehr bedient.

Die Summe ergibt sich dem Magazin zufolge aus bilateralen Hilfskrediten und dem Anteil Deutschlands an Krediten des Euro-Rettungsfonds EFSF und des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie an Verlusten der Europäischen Zentralbank (EZB), die größter Gläubiger Griechenlands ist. Insgesamt ergebe sich für die Euro-Länder eine Summe von 276 Milliarden Euro.