Die linksradikale Syriza-Partei liegt dreieinhalb Wochen vor der Neuwahl in Griechenland laut einer aktuellen Umfrage deutlich in Führung. Nach Angabe des Meinungsforschungsinstituts Public Issue kann das Bündnis bei der Parlamentswahl am 17. Juni mit 30 Prozent der Stimmen rechnen. Das wären 13 Prozentpunkte mehr als bei der Wahl am 6. Mai.

Auf Platz zwei landet in der Umfrage die konservative Nea Dimokratia (ND) mit 26 Prozent. Bei der letzten Wahl wurde die Partei noch stärkste Kraft, konnte im Parlament aber keine Mehrheit für den von ihr vertretenen Sparkurs hinter sich vereinen. Die vormalige Regierungspartei der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) liegt mit 15,5 Prozent weit abgeschlagen an dritter Stelle.

Bei der Parlamentswahl vom 6. Mai fehlten Syriza zwei Prozentpunkte, um die Konservativen an der Spitze abzulösen. Gemäß dem griechischen Wahlrecht stehen der stärksten Partei 50 zusätzliche Parlamentssitze zu.

Sollten sich die Zahlen am Wahltag bewahrheiten, droht Athen das Aus in der Euro-Zone . Syriza lehnt die von der Troika aus Internationalem Währungsfonds, Europäischer Union und Europäischer Zentralbank verordnete Sparpolitik im Gegensatz zu ND und Pasok strikt ab.

Tsipras soll Regierungschef werden

Für den geeignetsten Regierungschef halten 24 Prozent der Befragten den 37-jährigen Syriza-Chef Alexis Tsipras , 19 Prozent den 61-jährigen ND-Vorsitzenden Antonis Samaras. 85 Prozent würden bei einer Volksbefragung für den Verbleib in der Euro-Zone stimmen, 62 Prozent würden sich gegen das Sparprogramm im Gegenzug für Millionenspritzen der internationalen Kreditgeber aussprechen.

Die neofaschistische Chryssi Avgi (Goldene Morgenröte) kann der Umfrage zufolge bei der Wahl am 17. Juni mit vier Prozent der Stimmen rechen und würde damit die Drei-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament erreichen. Die Partei, die unter anderem für eine Serie brutaler Angriffe auf Einwanderer verantwortlich gemacht wird, erreichte nach 0,3 Prozent bei der Parlamentswahl 2009 am 6. Mai fast sieben Prozent.

Menschen wollen am Euro festhalten

Zwar scheinen viele Griechen den Anti-Sparkurs der Syriza-Partei zu unterstützen. Doch gleichzeitig gibt es eine große Mehrheit, die will, dass ihr Land in der Euro-Zone bleibt. Drei Viertel der Griechen würden laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos bei einem Referendum für den Erhalt der Gemeinschaftswährung stimmen.

Ipsos befragte zwischen dem 15. und 23. Mai Menschen in Deutschland, Frankreich , Griechenland , Italien und Spanien zu ihrer Haltung zum Euro. In allen Ländern erklärte eine Mehrheit ihre Zustimmung zur der Währung. Ausgerechnet im kriselnden Griechenland war die Unterstützung für den Euro mit 78 Prozent am größten.