Kurz vor dem Nato-Gipfel in Chicago am Sonntag und Montag ist der französische Präsident François Hollande aus dem Afghanistan-Zeitplan des Verteidigungsbündnisses ausgeschert. Er werde die französischen Kampftruppen schon bis Ende des Jahres abziehen, sagte Hollande zu US-Präsident Barack Obama . Damit würden Frankreichs Truppen das Land zwei Jahre früher verlassen als bislang vereinbart.

Hollandes Ankündigung kam überraschend: Eigentlich sollte beim Nato-Gipfel der Abzug der Afghanistan-Schutztruppe bis Ende 2014 bekräftigt werden. Hierfür laufen in den Militärstäben bereits die logistischen Planungen. Rund 130.000 ausländische Soldaten der Nato-geführten Isaf-Truppe sind derzeit in Afghanistan und sollen zu einem Großteil bis Ende 2014 schrittweise heimkehren. Zudem muss die Rückführung von Geländewagen, Panzern, Helikoptern, Computern und Einrichtungsgegenständen geplant werden.

Ein ranghoher Nato-Vertreter schätzt allein den Wert des Kriegsgeräts im Land auf knapp 23 Milliarden Euro: "All unsere Ausrüstung und die Soldaten von dort abzutransportieren, wird eine Weile brauchen." Unklar sei etwa noch, welche Materialien an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben werden sollen.

Nach bisherigem Stand will die Nato etwa 70.000 Fahrzeuge und 122.000 Container mit Material aus dem bergigen Land herausschaffen. Auf die Bundeswehr – die nicht von Abzug, sondern von einer "Rückverlegung" spricht – entfallen 1.700 Fahrzeuge und 6.000 Container. Zudem muss überlegt werden, was in Zukunft aus den Stellungen und Lagern der Isaf wird. "Wir wollen vermeiden, dass Geisterstädte entstehen", sagte der Diplomat.

Eine vorläufige Zusage gab eine Gruppe von 13 Nato-Staaten vor dem Gipfel zudem für ein neues Bodenüberwachungssystem. Demnach sollen unter anderem fünf unbemannte US-Spezialflugzeuge angeschafft werden, hieß es von Nato-Diplomaten. Nach offiziell nicht bestätigten Angaben soll allein die Anschaffung der Flugzeuge etwa eine Milliarde Euro kosten. Es handelt sich um Drohnen vom Typ Global Hawk des Herstellers Northrop Grumman . Weitere zwei Milliarden Euro seien für den Betrieb notwendig, dessen Kosten sich aber alle 28 Verbündeten teilen sollen.

Zu den 13 Nato-Staaten gehört auch Deutschland. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte Anfang Mai einen Beschluss über die Freigabe von mehr als 25 Millionen Euro für das Projekt vertagt. Deswegen ist in dem Vertrag eine Klausel enthalten, in dem darauf verwiesen wird, dass die nötige Zustimmung des Bundestages noch nicht vorliegt.