Der Iran und die internationale Gemeinschaft haben die Verhandlungen über das umstrittene iranische Atomprogramm wieder aufgenommen. Bei dem Treffen in Bagdad machten die UN-Vetomächte und Deutschland dem Iran einige Vorschläge zur Beilegung des Konflikts. Der Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton sagte: "Was wir auf den Tisch gelegt haben, ist für den Iran interessant." Details wollte er nicht nennen.

An dem Treffen in der irakischen Hauptstadt nehmen der Iran und die sogenannte Fünf-plus-eins-Gruppe – die fünf UN-Vetomächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland – und die Europäische Union teil. Medienberichten zufolge will die internationale Gemeinschaft erneut versuchen, den Iran zumindest von der Urananreicherung auf 20 Prozent abzubringen. Die bestehenden Bestände soll der Iran ins Ausland verlagern und im Gegenzug Brennstoff für einen Forschungsreaktor bekommen.

Mit einer Einigung rechnete die EU-Delegation bei den Gesprächen in Bagdad nicht. Ashtons Sprecher sagte, der Streit über das iranische Atomprogramm könne "nicht über Nacht" beigelegt werden. Er hoffe aber zumindest auf Fortschritte und ein Datum für ein weiteres Treffen. Wie der iranische Fernsehsender Press TV meldete, sollen die Gespräche am Donnerstag fortgesetzt werden. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.

Iranische Regierung zeigt sich kompromissbereit

Der iranische Chefunterhändler Said Dschalili bezeichnete die Verhandlungen als möglichen Beginn einer neuen Ära in den Beziehungen seines Landes zum Westen. Auch die russische Regierung zeigte sich optimistisch. Außenminister Sergej Lawrow sagte laut Berichten russischer Nachrichtenagenturen, Moskau habe den Eindruck, der Iran sei bereit, "konkreten Maßnahmen" zuzustimmen.

"Der Iran unternimmt Schritte, um die Forderungen der internationalen Gemeinschaft zu erfüllen, und die internationale Gemeinschaft unternimmt Schritte, um den Sanktionsdruck auf den Iran zu schwächen", sagte Lawrow. "Es wird weiter ein Prozess sein, aber zu jedem Zeitpunkt dieses Prozesses wollen wir konkrete Ergebnisse sehen."

Bereits vor der neuen Verhandlungsrunde hatte der Iran Zugeständnisse signalisiert. Die iranische Regierung erklärte sich bereit, eine Vereinbarung zur genaueren Überprüfung ihres Atomprogramms durch die Internationale Atomenergieagentur IAEA zu unterzeichnen. Im Gegenzug fordert die iranische Führung, dass der Westen Sanktionen aufhebt.

USA wollen Druck aufrecht erhalten

Die USA äußerten sich zunächst zurückhaltend zu den neuen Verhandlungen. "Versprechen sind eine Sache, Taten und die Erfüllung von Verpflichtungen eine andere", sagte ein Sprecher des Präsidialamts. Die Vereinigten Staaten würden den Druck auf die Islamische Republik weiter aufrechterhalten. Der Senat hatte erst am Montag weitere Wirtschaftssanktionen beschlossen.

Auch der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, warnte vor einer voreiligen Aufhebung der Wirtschaftssanktionen. "Um die Verhandlungsbereitschaft des Iran zu erhalten, muss der wirtschaftliche Druck aufrecht erhalten werden", sagte Hanning. Der ehemalige BND-Chef ist mittlerweile Chefberater der beiden internationalen Organisationen United Against Nuclear Iran und Institute for Strategic Dialogue, die sich gemeinsam gegen eine atomare Bewaffnung des Iran engagieren.

Mehrere westliche Regierungen verdächtigen den Iran, unter dem Vorwand eines zivilen Atomprogramms heimlich am Bau einer Atombombe zu arbeiten. Die iranische Regierung weist das zurück.