Nach zweitägigen Verhandlungen sind die Gespräche über das iranische Atomprogramm auf Mitte Juni in Moskau vertagt worden. "Es ist klar, dass beide Seiten Fortschritte wollen und dass es Gemeinsamkeiten gibt. Jedoch bleiben bedeutende Meinungsverschiedenheiten", sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Die internationale Gemeinschaft sei entschlossen, den Konflikt um das iranische Atomprogramm durch Verhandlungen zu lösen und alle Anstrengungen dafür zu unternehmen.

Die US-Regierung hält die geplante Fortsetzung der Gespräche für eine positive Entwicklung. Die USA hätten keinen Durchbruch in den ersten zwei Runden erwartet, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Es seien aber "konkrete Ideen" ausgetauscht worden. "Wir sehen die Ernsthaftigkeit auf der iranischen Seite, auf die Besorgnisse der internationalen Gemeinschaft einzugehen. Und so weit sind diese Erwartungen erfüllt worden", sagte Carney.

Iran besteht auf Recht zur Urananreicherung



Irans Chefunterhändler Said Dschalili sagte, die Gespräche seien "intensiv, aber unvollständig" gewesen und würden daher fortgesetzt. Er bemängelte, dass das Recht des Iran auf ein ziviles Atomprogramm erneut nicht anerkannt worden sei. "Es ist klar, dass der Iran im Einklang mit dem Atomwaffensperrvertrag auf seinem Recht, einschließlich Urananreicherung , besteht und nicht zurückweicht." 



Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an Atomwaffen zu arbeiten. Die Führung in Teheran bestreitet das. Israel hat mehrfach indirekt mit Militärschlägen gegen iranische Atomanlagen gedroht. Aus der EU war vor dem Treffen erklärt worden, dass vom Iran nun erste Schritte erwartet würden. Nach Angaben aus iranischen Delegationskreisen in Bagdad wurden der Regierung in Teheran weitere Sanktionen angedroht , falls das Land an seinem Kurs festhalte. 



Vertreter der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats sowie Deutschlands hatten in Bagdad einen Vorschlag auf den Tisch gelegt, der den Iran von der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent abbringen soll. Zudem sind darin vertrauensbildende Maßnahmen enthalten. Eine Anreicherung auf 20 Prozent reicht nicht für Atomwaffen, dafür wären mehr als 80 Prozent nötig. Aber höher angereichertes Uran ist schon ein größerer Schritt in diese Richtung.



"Der Iran hat sich bereiterklärt, die Frage der Anreicherung auf 20 Prozent anzugehen und seinen eigenen Fünf-Punkte-Plan vorgelegt, darunter auch die Forderung, dass wir ihr Recht auf (Uran-)Anreicherung anerkennen", sagte Ashton, die die internationale Delegation leitet.