Die Nato beginnt mit dem Aufbau ihres Raketenabwehrsystems in Europa . "Das wird uns ermöglichen, uns gegen Bedrohungen von außerhalb der europäisch-atlantischen Region zu verteidigen", sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen auf dem Gipfel des Militärbündnisses in Chicago .

In dem Abwehrsystem werden Satelliten, Schiffe, Radaranlagen und Abfangraketen mehrerer Nato-Länder zusammengefügt , um Europa vor einer möglichen Bedrohung durch Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von bis zu 3.000 Kilometern zu schützen. Die Militärallianz hatte den Aufbau auf ihrem letzten Gipfel im Herbst 2010 in Lissabon vereinbart und nun die erste Betriebsphase beschlossen.

Dabei werden mit einem Raketenabwehrsystem ausgestattete US-Militärschiffe auf einer US-Marinebasis im spanischen Rota stationiert und eine Radarstation im Südosten der Türkei in Betrieb genommen. Zudem nimmt die Kommandozentrale auf dem Nato-Stützpunkt im deutschen Ramstein ihre Arbeit auf . In den kommenden Jahren wird das Abwehrsystem weiter ausgebaut, bis es gegen Ende des Jahrzehnts vollkommen einsatzfähig sein soll. Dabei sollen auch deutsche Patriot-Abfangraketen eingebunden werden.

Russland fordert stärkere Einbindung

Der Raketenschirm ist jedoch Auslöser eines Konflikts mit der russischen Regierung . In Lissabon hatten die Nato und die Regierung in Moskau eine Zusammenarbeit in dem Projekt vereinbart, da Russland sich dadurch bedroht fühlt. Die Kooperation gerät aber ins Stocken: Russland fordert von der Nato mehr Sicherheitsgarantien und eine stärkere Einbindung, als die Militärallianz der Regierung in Moskau zugestehen will.

"Die Raketenabwehr richtet sich nicht gegen Russland", stellten die Nato-Staats- und Regierungschefs in einer gemeinsamen Erklärung klar. Das Militärbündnis will sich demnach weiterhin "aktiv" um eine Zusammenarbeit bemühen. Rasmussen hob jedoch auch hervor, dass die Nato sich von den Bedenken Russlands nicht von dem Projekt abbringen lasse.

Die gemeinsame Raketenabwehr ist Teil der Nato-Strategie zur "Intelligenten Verteidigung": In Zeiten leerer Staatskassen sucht die Nato ebenso wie die Europäische Union nach Möglichkeiten, etwa teure Waffensysteme gemeinsam zu kaufen oder Aufgaben wie die Luftraumüberwachung im Baltikum den Ländern zu übertragen, die die benötigten Flugzeuge dazu besitzen. Diese Mission wurde in Chicago für unbestimmte Zeit verlängert.