Es ist der letzte Versuch, Neuwahlen in  Griechenland zu verhindern: Staatspräsident Karolos Papoulias hat die Vorsitzenden der Konservativen, der Radikallinken und der Sozialisten zu einem Krisentreffen empfangen. Im Anschluss will Papoulias auch mit den Chefs der kleineren Parteien im Parlament zusammenkommen.

Dem Vernehmen nach wird Papoulias versuchen, Konservative, Linksradikale und Sozialisten sowie die kleinere Demokratische Linke zur Bildung einer Koalition zu bewegen . Diese soll sich für den Verbleib Griechenlands im Euroland einsetzen. Papoulias will sich am Nachmittag auch mit allen anderen Parteivorsitzenden einzeln treffen.

Syriza bleibt beim Widerstand

Die drei bisherigen Anläufe zur Bildung einer neuen Regierung scheiterten am Widerstand der linken Syriza -Partei. Auch kurz vor dem Gespräch lehnte die Partei einen Rettungsplan für Griechenland weiter ab. Sie werde keine Regierung unterstützen, die die Reformen befürworte, sagte Syriza-Sprecher Panos Skourletis. Mehrere Umfragen deuten darauf hin, dass die Partei bei Neuwahlen weiter gestärkt werden könnte, ein Euro-Austritt des Landes würde damit wahrscheinlicher.

Der Chef der konservativen Nea Dimokratia, Antonis Samaras, sagte vor dem Treffen: "Das Volk hat uns beauftragt, eine Regierung zu bilden, die dafür sorgt, dass das Land im Euroland bleibt."

Die griechischen Linksdemokraten formulierten vor dem Krisengespräch erneut ihre Bedingungen für ein Regierungsbündnis: Nötig sei unter anderem die Kündigung der Vereinbarungen mit den internationalen Geldgebern des Landes, sagte der Chef der Partei Demokratische Linke (Dimar), Fotis Kouvelis. Er forderte eine "umgehende" Rücknahme der Gesetzgebung zur Abschaffung der Mindestlöhne und zur Erleichterung von Entlassungen. Es bestehe "sehr wenig Hoffnung", dass eine neue Regierung gebildet werden könne.

Mehrzahl der Griechen wünscht tragfähige Regierung

Die Gespräche gelten als letzter Versuch zur Beilegung der politischen Krise in Griechenland nach der Parlamentswahl vom vergangenen Sonntag. Bei der Abstimmung hatten die Griechen die bisher regierenden Parteien Nea Dimokratia und Pasok wegen des mit den internationalen Geldgebern vereinbarten Sparkurses bestraft. Parteien, die eine Abkehr von der Sparpolitik fordern, gewannen hingegen viele Stimmen. Sollten die Vermittlungsgespräche mit Papoulias scheitern, stehen Griechenland im Juni Neuwahlen bevor.

Einer repräsentativen Umfrage zufolge fordern 72 Prozent der Griechen, dass die Parteien alles unternehmen sollten, damit eine tragfähige Regierung gebildet werden kann. Noch mehr, nämlich 78 Prozent, sprechen sich für einen Verbleib im Euroland aus.

Das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtet unterdessen, dass Griechenland auch im Falle eines Euro-Austritts mit weiteren Milliarden aus dem Rettungsfonds EFSF rechnen kann. Demnach sollen zwar jene Mittel gestoppt werden, die direkt in den griechischen Haushalt fließen. Die Beträge aber, die das Land benötigt, um die Staatsanleihen zu bedienen, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Krise aufgekauft wurden, sollen weiter fließen. Damit sollen Verluste in der Bilanz der EZB verhindert werden. Diese Verluste müssten von allen Mitgliedsstaaten getragen werden.