In Serbien haben die bisherigen Regierungsparteien die Parlamentswahl gewonnen. Das berichtete der Fernsehsender B92 in Belgrad nach Auszählung von elf Prozent aller Wählerstimmen. Demnach liegt die Demokratische Partei (DS) des langjährigen Staatspräsidenten Boris Tadić mit 23 Prozent in Führung. Sein Koalitionspartner, die Sozialisten (SPS) des früheren serbischen Präsidenten Slobodan Milošević , konnte die Stimmen verdoppeln und kommt auf knapp 17 Prozent. Gemeinsam mit anderen kleineren Parteien könnten beide Parteien die neue Regierung bilden.

Die neu geschaffene Fortschrittspartei (SNS) von Tomislav Nikolić kam mit 25 Prozent der abgegebenen Stimmen zwar auf den ersten Platz, dürfte aber mangels Koalitionspartner keine Regierungsmehrheit bilden können. In allen Umfragen vor der Wahl waren der Partei deutlich über 30 Prozent vorausgesagt worden.

Stichwahl zwischen Tadić und Nikolić

Bei den zeitgleichen Präsidentenwahlen gab es noch keine Entscheidung. Weil kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichen konnte, kommt es in zwei Wochen zu einer Stichwahl zwischen dem bisherigen Staatschef Tadić und Oppositionsführer Nikolić. Tadić erreichte nach Auszählung von mehr als einem Drittel der abgegebenen Stimmen 26,8 Prozent, Nikolić 25,6 Prozent.

Etwa 6,7 Millionen Bürger des EU-Beitrittskandidaten waren aufgerufen, ein neues Parlament und den nächsten Präsidenten zu wählen. Obwohl die Wahlforscher wegen der schlimmsten sozialen und wirtschaftlichen Krise seit 15 Jahren mit geringer Beteiligung gerechnet hatten, herrschte reges Interesse: Bis 14 Uhr hatten 32 Prozent der knapp sieben Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, berichtete die Forschungsgruppe CeSID in Belgrad. Das waren drei Prozent mehr als bei der letzten Parlamentswahl um diese Zeit.

Popularität der Regierungspartei lässt nach

Das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Liberalen des amtierenden Präsidenten Tadić und den Rechtspopulisten um dessen Herausforderer Nikolić wurde bereits erwartet. Zwar lag Nikolić in den Umfragen knapp vor Tadić, doch galt die Entscheidung über das Präsidentenamt erst in einer Stichwahl in zwei Wochen als wahrscheinlich.

Die Popularität der DS hatte vor allem unter der schwierigen wirtschaftlichen Lage Serbiens gelitten. Etwa 24 Prozent der Serben sind ohne Arbeit, das Durchschnittseinkommen liegt bei 380 Euro im Monat. Ihre Hoffnungen setzen viele Serben in einen Beitritt zur Europäischen Union , der sowohl von der DS als auch der SNS angestrebt wird. "Die Europäische Union ist unser Ziel", sagte Nikolić bei seiner Stimmabgabe. "Wir wollen die EU, wenn die EU uns will."

Die EU prüft derzeit, ob die Beitrittsverhandlungen im nächsten Jahr beginnen können. Die Auslieferung der mutmaßlichen Kriegsverbrecher Radovan Karadžić und Ratko Mladić hat eine große Hürde zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen beseitigt. Ein Streitpunkt bleibt aber die schwierige Beziehung zum benachbarten Kosovo mit seiner serbischen Minderheit im Norden des Landes. Die Nato-Schutztruppe KFor hatte im Vorfeld der Wahlen 700 zusätzliche Soldaten aus Deutschland und Österreich in der Region stationiert, um Unruhen vorzubeugen.