Die russische Polizei hat auf dem Roten Platz in Moskau etwa 100 Menschen vorübergehend festgenommen, die friedlich gegen Präsident Wladimir Putin demonstriert hatten. Die Regierungsgegner waren am Sonntag Abend in weißer Kleidung und mit weißen Bändern, dem Zeichen der Opposition, aber ohne Plakate durch die Innenstadt spaziert.

Als sich die Demonstranten einer Oppositionsversammlung in der Fußgängerzone anschließen wollten, griffen Sicherheitskräfte zu, wie Medien in Moskau berichteten. Menschenrechtler kritisierten die Festnahmen als ungesetzlich. "Das ist unsere Stadt, und wir können hier spazierengehen", sagte Ljudmila Alexejewa von der Moskauer Helsinki Gruppe, einer russischen Menschenrechtsorganisation.

Auch in der zweitgrößten Stadt St. Petersburg nahm die Polizei mehrere Regierungsgegner in Gewahrsam. Dort hatten Oppositionsvertreter ebenfalls einen "weißen Spaziergang" geplant.

Unterdessen sorgte eine Ankündigung der russischen Regierung für Entrüstung. Demnach sollen sechs Polizisten, die bei Protesten am 6. Mai verletzt worden waren, als Entschädigung neue Wohnungen in Moskau erhalten. Hunderte Rentner und Schwerbehinderte warteten seit Jahren auf versprochene Appartements, kritisierten Internetblogger.