Zu dem Doppelanschlag in der syrischen Hauptstadt Damaskus vom Donnerstag hat sich eine Islamistengruppe bekannt. Die radikale Al-Nursa-Front erklärte in einem im Internet veröffentlichten Video, sie habe die Anschläge verübt. Durch die Selbstmordattentate wurden 55 Menschen getötet und rund 400 weitere verletzt.

Die Anschläge seien eine Reaktion auf Angriffe der Regierungstruppen auf Wohngebiete der Bevölkerung in Syrien , hieß es. Die Attentate waren vor einem neunstöckigen Gebäude der Sicherheitsdienste an einer Schnellstraße im Süden von Damaskus verübt worden. Es waren die schwersten Anschläge seit dem Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad. 

An der Echtheit des Bekennervideos der Al-Nursa-Front gibt es jedoch Zweifel. Es wurde etwa nicht in den Foren radikaler Islamisten veröffentlicht, die bisher derartige Botschaften publiziert haben. Die Al-Nursa-Front war bis zum Beginn des Aufstands gegen Assad unbekannt. Sie hatte sich in der Vergangenheit zu Anschlägen unter anderem in Damaskus und Aleppo bekannt. International wächst seit Monaten die Sorge, dass die syrische Protestbewegung vom Terrornetzwerk Al-Kaida unterwandert werden könnte.

Die Regierung hatte zuvor den Widerstand für die Anschläge verantwortlich gemacht. 330 bis 600 Al-Kaida-Kämpfer seien im Großraum Damaskus aktiv, hieß es. Die Opposition beschuldigt dagegen das Regime, die Anschläge selbst zu inszenieren, und fordert eine internationale Untersuchung.

Staatsbegräbnis für die Opfer

Am Samstag fand in Damaskus ein Staatsbegräbnis für die Opfer des Anschlages statt. Das Staatsfernsehen zeigte in Schwarz gehüllte Frauen, die Rosenblätter auf Särge warfen, über denen die Nationalflagge lag. Männer sangen: "Gott segne Syrien unter der Führerschaft von Baschar."

Gleichzeitig beschossen die syrischen Streitkräfte nach Angaben der Opposition erneut die Stadt Homs. Am Freitag seien 18 Oppositionelle von den Sicherheitskräften getötet worden; am Samstag habe es bis zum Mittag sechs weitere Opfer gegeben. In der grenznahen syrischen Provinz Idlib wiederum hätten Rebellen vier Soldaten getötet. Idlib gehört zu den Hochburgen der Proteste gegen das Regime.