Obwohl UN-Beobachter im Land sind , hält die Gewalt in Syrien an. Bei Angriffen der syrischen Streitkräfte in der Stadt Hula in der Provinz Homs sind mehr als 110 Menschen ums Leben gekommen, darunter 13 Kinder. Das berichtete der Syrische Nationalrat. Ganze Familien seien ausgelöscht, mindestens 300 Menschen verletzt worden, viele von ihnen schwer. Die Nachrichten konnten wegen der Medienblockade des Regimes nicht überprüft werden. Sollten sie sich bestätigen, so wäre dies das schlimmste Blutbad an Zivilisten an einem Ort seit Monaten in Syrien.

Der Syrische Nationalrat forderte daraufhin eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats . Den im benachbarten Homs stationierten UN-Beobachtern warf der Chef der Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London , Rami Abdel Rahman, Untätigkeit vor. Die Angriffe der Armee hielten seit dem Mittag an und die UN-Beobachter hätten nicht darauf reagiert, sagte er.

Zudem hätten bei anderen Angriffen mindestens 21 Menschen ihr Leben verloren. In der Provinz Hama etwa starben 14 Menschen durch Gewalt von Regierungstruppen, berichten Gegner des Regimes von Präsident Baschar al-Assad . Syrische Truppen schossen am Freitag in der im Norden gelegenen Großstadt Aleppo auf friedliche Demonstranten. Mindestens ein Kundgebungsteilnehmer starb, zahlreiche weitere wurden verletzt, heißt es bei der Beobachtungsstelle für Menschenrechte. In Aleppo sollen Zehntausende auf die Straße gegangen sein.

Ban Ki Moon zieht düstere Bilanz

Nach den Angriffen in Hula zog UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in einem Bericht an den Sicherheitsrat eine düstere Bilanz der Lage in Syrien. Regierungstruppen begingen weiterhin "massive" Menschenrechtsverstöße und auch die Oppositionellen verschärften ihre Einsätze, schrieb Ban Ki Moon.

In dem Land herrsche eine "Atmosphäre der Anspannung, des Misstrauens und der Angst", hieß es in dem Bericht, über den in der kommenden Woche im UN-Sicherheitsrat beraten werden soll. Die Bemühungen der UN um ein Ende des Konflikts hätten bislang nur "kleine Fortschritte" gezeigt. Die anhaltende Krise sei von "Gewalt, sich verschlechternden humanitären Bedingungen, Menschenrechtsverletzungen und anhaltender politischer Konfrontation" geprägt.

Viele fürchteten eine weitere Militarisierung des Konflikts und hätten gleichzeitig kaum noch Hoffnungen, dass eine friedliche Beilegung gelingen könne, schrieb der UN-Generalsekretär weiter. Zwar habe die Anwesenheit von mittlerweile 275 unbewaffneten UN-Beobachtern im Land einen "beruhigenden Effekt" auf die Lage gehabt, insgesamt bleibe das Level der Gewalt im Land aber weiterhin hoch. Beobachter hätten von erheblichen Zerstörungen in zahlreichen Städten berichtet. Ban Ki Moon zufolge kontrollieren die Kämpfer der Opposition mittlerweile erhebliche Teile syrischer Städte.

Laut UNO mehr als 10.000 Tote

Sondervermittler Kofi Annan wird nach Angaben der Vereinten Nationen "demnächst" wieder nach Syrien aufbrechen. Der Beauftragte von UN und Arabischer Liga wolle direkte Gespräche mit den Behörden des Regimes führen, sagte Uno-Sprecher Martin Nesirky in New York . Annan werde auch mit der Opposition reden. Zudem wolle der frühere UN-Generalsekretär mit den Anrainerstaaten über die Krise sprechen.

Seit das Regime vor 14 Monaten begann, friedliche Proteste mit Gewalt niederzuschlagen , sind nach Uno-Angaben mehr als 10.000 Menschen ums Leben gekommen. Im April waren Uno-Beobachter als Teil des Annan-Friedensplanes nach Syrien geschickt worden. Sie sollen eine Waffenruhe überwachen, die bisher nur auf dem Papier existiert. "Es ist nun Zeit, dass sich der Sondervermittler persönlich in die Gespräche mit Regierung und Opposition einschaltet", sagte UN-Sprecher Nesirky. Wann Annan aufbricht und welche Länder er bereist, wollte Nesirky aus Sicherheitsgründen nicht sagen.