Die in Haft erkrankte ukrainische Ex-Regierungschefin Julija Timoschenko ist aus ihrer Gefängniszelle in Charkow in ein örtliches Krankenhaus verlegt worden. Der Transport der Oppositionsführerin sei in Begleitung des Neurologen Lutz Harms von der Berliner Klinik Charité erfolgt, der die 51-Jährige nun behandeln soll. Das berichteten ukrainische Medien.

Timoschenko hatte angekündigt, nach der Verlegung in die Klinik ihren Hungerstreik abzubrechen. Nach eigenen Angaben hatte sie am 20. April mit der Nahrungsverweigerung begonnen, um gegen ihre Haftbedingungen zu protestieren. Die Politikerin klagt seit Monaten über einen schweren Bandscheibenvorfall . Nach Aussage von Harms leidet Timoschenko unter einem "chronischen Schmerzsyndrom".

Kiew lehnt Behandlung in Deutschland ab

Die ehemalige Regierungschefin verbüßt derzeit eine siebenjährige Haftstrafe wegen angeblichen Amtsmissbrauchs: Timoschenko war im Oktober 2011 wegen eines angeblich unvorteilhaften Gasvertrags mit Russland verurteilt worden. Kritiker werfen Staatspräsident Viktor Janukowitsch vor, auf diese Weise seine politische Rivalin kaltstellen zu wollen. Wegen des Falles ist das Co-Gastgeberland der Fußball-Europameisterschaft internationaler Kritik und Boykottdrohungen ausgesetzt.

Spezialisten der Berliner Charité hatten sich vergangene Woche mit Timoschenko auf eine Behandlung in der Klinik von Charkow rund 450 Kilometer östlich der Hauptstadt Kiew verständigt. Das Angebot der Bundesregierung , die Führerin der Orangenen Revolution in Deutschland zu behandeln, lehnt Kiew ab.