Mit einer Rede hat der demokratische Amtsinhaber Barack Obama ein halbes Jahr vor der Präsidentschaftswahl offiziell den Kampf um seine zweite Amtszeit eröffnet. In Columbus, im US-Bundesstaat Ohio sprach er am Samstag vor mehr als 10.000 Anhängern. Während Obama vor vier Jahren auf die Schlagworte "Hope and Change" (Hoffnung und Wandel) gesetzt hatte, wählte er für seine Kampagne nun den Slogan "Forward" (Vorwärts) – als Gegenentwurf zur Politik der gegnerischen Republikaner, die der Demokrat als rückwärtsgewandt brandmarkte. Ohio ist einer der strategisch wichtigsten US-Staaten für den Wahlkampf.

Auf seiner ersten großen Wahlkampfveranstaltung griff er seinen voraussichtlichen Herausforderer Mitt Romney von den Republikanern an. Der Präsident nannte seinen Herausforderer zwar einen "Patrioten" und guten Familienvater, der eine erfolgreiche Karriere als Geschäftsmann hingelegt habe. Allerdings habe Romney "die falschen Lehren aus seinen Erfahrungen" gezogen und richte seine Politik einseitig auf die Reichen aus. Romney werde deshalb nie die Mittelschicht unterstützen. "Er glaubt ernsthaft, dass wenn Chefs und wohlhabende Investoren wie er Geld verdienen, auch der Rest von uns automatisch im Wohlstand lebt", sagte Obama über den konservativen Romney. Der Republikaner hatte den Wahlkampf seinerseits bereits Ende April eröffnet.

Obama fordert Reichensteuer

Im Mittelpunkt von Obamas Rede stand der Kampf um Chancengleichheit . Ein Schritt in diese Richtung sei die Reichensteuer. Sein Herausforderer missverstehe die Herausforderungen, mit denen die USA derzeit kämpften. Nur darum schlage er vor, Steuern für Reiche und Schlüsselinvestitionen zu senken. Obama sagte, dass größere Unternehmensgewinne bisher nicht zu besseren Jobs geführt hätten. Mit Romney im Weißen Haus würden die USA zurück in die Finanzkrise und eine Rezession rutschen.

In seiner Rede warb Obama für einen Blick nach vorn. Man dürfe nicht zulassen, "dass die Uhren in Amerika zurückgestellt werden". So brauche das Land beispielsweise keinen neuen Streit um das Abtreibungsrecht oder Verhütungsmittel. "Wir bewegen uns nach vorn." Nach einem Jahrzehnt der Kriege, so Obama mit Blick auf die Einsätze im Irak und in Afghanistan , "ist die Nation, die wir wiederaufbauen müssen, unsere eigene".

Hartes Rennen gegen Romney

Derzeit liegt Obama in Umfragen fast gleichauf mit Romney . Der US-Präsident räumte ein, dass das Rennen gegen Romney noch knapper werde als das vor vier Jahren gegen John McCain: "Deshalb brauche ich Ihre Hilfe." Es stehe einfach zu viel auf dem Spiel. "Dies ist keine übliche Wahl", sagte Obama. "Dies ist eine Wahl, in der es um alles oder nichts für die Mittelschicht geht." Das Publikum war zuvor von First Lady Michelle Obama begrüßt worden.

Obama wählte Ohio für den Wahlkampfauftakt, weil es zu den sogenannten Swing States – Bundesstaaten mit wechselnden Wählermehrheiten –  gehört. Das Abschneiden könnte für ihn oder auch Romney Wahlsieg oder Niederlage bedeuten. 2008 hatten in Ohio 51 Prozent für Obama gestimmt. 2004 hatte sich die Mehrheit für den Republikaner George W. Bush entschieden, der am Ende seine Wiederwahl als Präsident schaffte. Nach der Rede reisten die Obamas zu einem weiteren Auftritt im Bundesstaat Virginia, der ebenfalls besonders umkämpft ist. Offiziell hatte der Präsident vor einem Jahr in Chicago angekündigt, für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. In den kommenden Monaten sollen weitere Kundgebungen folgen.