ZEIT ONLINE: Als im Februar 2011 die Proteste gegen die politische Führung im Königreich Bahrain begannen und brutal niedergeschlagen wurden, war die Aufmerksamkeit groß. Mittlerweile wird nur noch selten darüber berichtet – warum?

Maryam al-Khawaja: Die Regierung hat ein gutes Dutzend PR-Firmen beauftragt. Diese prägen das Bild von Bahrain , und sie versuchen, Menschen wie mich zu diskreditieren und sicherzustellen, dass unsere Stimmen nicht gehört werden. Dafür gibt das Regime Hunderttausende von Dollar aus. Auch Saudi-Arabien besitzt vor allem durch sein Öl großen internationalen Einfluss. Dazu kommt das Geld, dass Saudi-Arabien in Medienunternehmen steckt, sei es für Werbung oder mit seinen umfangreichen Beteiligungen an der arabischen Presse.

ZEIT ONLINE: Also hat sich die Lage nicht beruhigt?

Al-Khawaja: Nein, auf keinen Fall. Die Proteste gehen weiter. Fast jeden Tag gehen Menschen auf die Straße, und ebenso geht das Regime fast jeden Tag mit Gewalt gegen die Proteste vor. Die Demonstrationen in Bahrain sind eigentlich die größten des Arabischen Frühlings, wenn man sie auf die Größe der Bevölkerung bezieht: Bis zu 400.000 Menschen waren bei den größten Demonstrationen, und Bahrain hat zwischen 600.000 und 700.000 Einwohner – das ist so, als wären in Ägypten 40 Millionen Menschen bei den Protesten gewesen.

ZEIT ONLINE: Warum gehen die Menschen auf die Straße?

Al-Khawaja: Seit den 1920er Jahren hat es in Bahrain fast alle zehn Jahre irgendeine Form von Aufstandsbewegung gegeben, zuletzt in den Neunzigern. Viele Menschen wurden damals getötet, es gab Tausende politische Gefangene und viele Fälle von Folter. Als der heutige König an die Macht kam, nachdem sein Vater gestorben war, wurde ihm schnell klar: Es muss etwas passieren. Die USA hatten einen Marinestützpunkt in Bahrain und waren dabei, den Irakkrieg zu beginnen – er wollte die Lage im Land beruhigen. Also machte König Hamad Bin Isa al-Khalifa viele wunderschöne Versprechungen: eine konstitutionelle Monarchie, die Freilassung politischer Gefangener, das Ende der Folter ...

ZEIT ONLINE: Das war 2001.

Al-Khawaja: Genau, aber seitdem warten die Menschen, und es verändert sich nichts. Dann gab es die Revolutionen in Tunesien und Ägypten. Das hat ihnen Hoffnung gegeben. Zunächst forderten die Bürger einfach nur, was man ihnen versprochen hatte. Das änderte sich, nachdem die ersten Demonstranten auf der Straße getötet wurden. Die Menschen sagten: Eine Regierung, die uns umbringt, weil wir etwas fordern, dass sie uns zehn Jahre zuvor versprochen hat, muss verschwinden.