Der designierte ägyptische Staatschef Mohammed Mursi hat seine Landsleute zur nationalen Einheit aufgerufen. Er wolle Präsident "aller Ägypter" sein, sagte der erste Islamist an der Spitze des Staates in einer vom Fernsehen übertragenen Ansprache nach der Bekanntgabe seines Wahlsiegs .

Die nationale Einheit Ägyptens sei der einzige Ausweg aus "diesen schwierigen Zeiten", sagte Mursi weiter. Der 60-jährige Muslimbruder würdigte die Aufständischen, deren Revolte den langjährigen Machthaber Hosni Mubarak im Februar vergangenen Jahres aus dem Amt getrieben hatte. Mit Blick auf die rund 850 Toten des Aufstandes dankte Mursi den "Märtyrern". Die Revolution gehe so lange weiter, bis "alle ihre Ziele erreicht" seien.

Zugleich sagte Mursi die Einhaltung der von Ägypten geschlossenen internationalen Verträge zu. Israel hatte den neuen Präsidenten aufgerufen , das vor 33 Jahren geschlossene Friedensabkommen der beiden Länder zu achten. "Wir halten uns an internationale Verträge und Abkommen zwischen Ägypten und der Welt", sagte Mursi. 

Islamisten jubeln, westliche sind Staaten zurückhaltend

Die ägyptische Wahlkommission hatte ihn am Sonntag zum Sieger der Stichwahl um das Präsidentenamt vom vergangenen Wochenende erklärt. Mursi hatte sich mit knapp 52 Prozent der Stimmen gegen seinen Mitbewerber, den ehemaligen Luftwaffengeneral und Mubarak-Minister Ahmed Schafik , durchgesetzt. Auf dem Tahrir-Platz in der Hauptstadt Kairo feierten Hunderttausende Menschen den Sieg.

Der erste frei gewählte Präsident des Landes soll am 1. Juli sein Amt antreten. Viele Ägypter und vor allem die christliche Minderheit in dem bevölkerungsreichsten arabischen Land misstrauen ihm. Nach der Wahl gab Mursi bekannt, dass er von seinen Positionen in der Muslimbruderschaft und als Vorsitzender deren politischer Organisation zurücktritt.

International fielen die Reaktionen auf die Wahl von Mursi gemischt aus. Während Islamisten jubelten, reagierten westliche Staaten zurückhaltend. "Das ägyptische Volk hat nicht nur einen Präsidenten für Ägypten gewählt, sondern auch für arabische und islamische Länder", sagte ein Sprecher der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas in Gaza .

Die USA gratulierten Mursi zu seinem Wahlsieg, forderten ihn aber gleichzeitig auf, für Stabilität zu sorgen und nicht in Extreme zu verfallen. Auch aus Frankreich und Großbritannien kamen verhaltene Reaktionen. Die neue Regierung müsse in der ägyptischen Gesellschaft Brücken schlagen und die Menschenrechte wahren, sagte der britische Außenminister William Hague .