Gleichzeitig legte der Militärrat fest, dass die zivilen Instanzen in allen Fragen der Armee kein Mitspracherecht haben und die Generäle allein den Staatshaushalt kontrollieren. Dadurch soll verhindert werden, dass Abgeordnete künftig Einblick fordern in das Wirtschaftsimperium der Offiziere sowie die Profite der militäreigenen Unternehmen.

Derweil erklärte Fraktionschef Hussein Ibrahim der "Partei für Freiheit und Gerechtigkeit", dem politischen Arm der Muslimbruderschaft, die Mandatsträger würden die Auflösung der Volksvertretung nicht anerkennen und wie gewohnt am Dienstag im Plenum zusammenkommen. Die Anordnung des Verfassungsgerichts müsse der Bevölkerung für ein Referendum vorgelegt werden, erklärte Ibrahim, denn laut Übergangsverfassung habe nicht der Militärrat, sondern nur das Volk das Recht, das Parlament per Referendum aufzulösen.

Seit Freitagabend jedoch ist die Kammer auf Anordnung des Militärrates versiegelt. Die Wachsoldaten haben Anweisung, keinen der Abgeordneten in das Innere des Gebäudes zu lassen.

Schafik punktete vor allem in den Städten

Im Wahlkampf hatte sich der Ex-General und langjährige Mubarak -Freund Schafik präsentiert als Garant von Sicherheit und Ordnung, als Bollwerk gegen den Islamismus und als ein Mann, der Dinge geregelt bekommt – eine Botschaft, die vor allem bei den Wählern in den Städten und im dicht besiedelten Nildelta gut ankam.

Muslimbruder Mursi dagegen empfahl sich als einziger verbliebener Schutzpatron der Revolution und frommer Islamist. Seine Präsidentschaft werde basieren auf dem Islam, gleichzeitig aber wolle er alle Kräfte der Gesellschaft mit einbeziehen und die individuellen Freiheitsrechte der Menschen garantieren, erklärte der promovierte Bauingenieur, der vor allem in den ländlichen Regionen und im konservativeren Oberägypten vorn lag.