Als Liberias Ex-Diktator Charles Taylor vor wenigen Tagen für 50 Jahre hinter Gitter wanderte, schauten die Menschen in der Elfenbeinküste genau hin. Bald wird es ihr Land sein, das im Rampenlicht internationaler Justiz steht. Taylor war der erste ehemalige Staatschef aus Afrika , der von einem internationalen Gericht verurteilt wurde. Laurent Gbagbo , Ex-Präsident der Elfenbeinküste, könnte der zweite werden.

Vom 18. Juni an muss sich der 67-Jährige vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten. Es ist die erste Anhörung zum Inhalt der Anklage. Erst dann wird das Gericht entscheiden, ob die Beweismittel einen Prozess rechtfertigen. Wie zuvor Taylor, so werden nun auch Gbagbo Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Im Kampf um die Macht soll Gbagbo nach den Wahlen 2010 als "indirekter Mittäter" für Mord und Vergewaltigung verantwortlich gewesen sein. Die Unruhen brachen aus, nachdem Gbagbo sich geweigert hatte, seine Wahlniederlage anzuerkennen und die Macht an seinen gewählten Nachfolger und alten Widersacher Alassane Ouattara abzugeben.

Kritik an "einseitiger Justiz "

Mindestens 3.000 Menschen starben, ehe Ouattara im Mai 2011 als Präsident vereidigt wurde. Hunderttausende flohen aus dem westafrikanischen Land. Gbagbo wurde schließlich festgenommen und Ende 2011 nach Den Haag überstellt .

"Wir setzen unser Vertrauen in das internationale Recht, damit Gerechtigkeit walten kann", sagt Joel N'Guessan, Sprecher der Partei von Ouattara. Human Rights Watch aber spricht von einer " einseitigen Justiz " in der Elfenbeinküste: Mehr als 120 Menschen mussten sich wegen Verbrechen während der Machtkämpfe verantworten. "Keiner von ihnen gehört zu den pro-Ouattara Kräften ", heißt es in einem Bericht der Organisation. Zwar beschuldigen Menschenrechtsgruppen vor allem die Anhänger Gbagbos für schwere Verbrechen, doch auch Ouattaras Soldaten werden immer wieder Übergriffe zur Last gelegt.

Nathalie Kone, Mitarbeiterin einer nichtstaatlichen Organisation in der Elfenbeinküste, fürchtet, dass sich der Prozess auf die Politik auswirken könnte: "Gbagbos politische Partei, die FPI, ist in seiner Abwesenheit beinahe zusammengebrochen. Wenn er verurteilt wird, was wahrscheinlich scheint, könnte das bedeuten, dass es keine große Oppositionspartei mehr gibt, und wir würden Gefahr laufen, ein Einparteienstaat zu werden." Gbagbo war 2000 Präsident geworden.