In Frankreich hat die erste Runde der Parlamentswahl begonnen. Etwa 46 Millionen Wähler sind aufgerufen, über die 577 Sitze in der Nationalversammlung zu entscheiden. 6.603 Kandidaten bewerben sich um ein Mandat.

Den Umfragen zufolge können die Sozialisten, die im Mai die Präsidentenwahl gewonnen hatten, auch mit einer Mehrheit im Parlament rechnen . Voraussichtlich brauchen sie für eine absolute Mehrheit aber die Unterstützung anderer linker Parteien. Ein Machtwechsel im Parlament gäbe der französischen Linken weitreichende Möglichkeiten, die  Politik des Landes neu zu bestimmen .

Der bislang dominierenden UMP werden hingegen kaum Chancen auf eine Mehrheit eingeräumt. Sollten die Konservativen wider Erwarten einen Überraschungssieg schaffen, stünde die Regierungsfähigkeit des neuen Präsidenten François Hollande auf dem Spiel.

Niedrige Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung lag bis zum Mittag bei 21,06 Prozent, wie das Innenministerium in Paris mitteilte. Damit sank die Beteiligung leicht im Vergleich zur ersten Runde der Wahl vor fünf Jahren, die zu diesem Zeitpunkt bei 22,56 Prozent gelegen hatte. In der Hauptstadt Paris stimmten bis zum Sonntagmittag 13,65 Prozent der Wähler ab, im Vergleich zu 16,22 Prozent 2007.

Präsident Hollande wählte am Vormittag in seiner Wahlheimat Tulle. Sein Vorgänger, der Konservative Nicolas Sarkozy , ging im 16. Pariser Arrondissement mit seiner Frau Carla Bruni-Sarkozy ins Wahllokal.

Medien und Meinungsforscher hatten bereits damit gerechnet, dass deutlich weniger Franzosen als noch bei der Präsidentenwahl vor einem Monat abstimmen würden. An der Stichwahl zwischen Hollande und Sarkozy hatten sich 80 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt. Für die Parlamentswahl erwarten Beobachter insgesamt eine Beteiligung von rund 60 Prozent. Die ersten offiziellen Hochrechnungen werden nach Schließung der letzten Wahllokale um 20.00 Uhr erwartet.

Stichwahl in einer Woche

Anders als in Deutschland werden in Frankreich alle Abgeordneten in einer Persönlichkeitswahl nach dem Mehrheitswahlrecht bestimmt. Dadurch werden in der Regel zwei Wahlgänge nötig: In der ersten Runde ist nur gewählt, wer auf Anhieb die absolute Mehrheit schafft.

In der zweiten Runde, in die alle einziehen, die mindestens 12,5 Prozent der Wahlberechtigten für sich gewinnen konnten, gewinnt der Kandidat mit den meisten Stimmen. Die Stichwahl findet in einer Woche statt.