Nach der ersten Runde der Parlamentswahl in Frankreich zeichnet sich eine deutliche linke Mehrheit in der Nationalversammlung ab: Das Bündnis linker Parteien von Präsident François Hollande erreichte dem amtlichen Endergebnis zufolge 46,77 Prozent der Stimmen und könnte damit die absolute Mehrheit im französischen Parlament bekommen. Nach Angaben der französischen Zeitung Le Monde würden die linken Parteien somit 310 bis 356 Sitze erhalten, die absolute Mehrheit liegt bei 289 Sitzen.

Die Sozialisten erreichten demnach knapp 30 Prozent und konnten damit deutlich zulegen. Gemeinsam mit den Grünen (5,5 Prozent) und dem Linksbündnis Front de Gauche (7 Prozent) würde es für die absolute Mehrheit reichen, berichtete der Fernsehsender TF 1.

Die konservative UMP von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy verlor und kam nur noch auf etwa 27 Prozent der Stimmen. 2007 hatte die Partei noch mit knapp 40 Prozent der Stimmen die Mehrheit im Parlament, nun würde sie laut Le Monde nur noch auf 224 bis 261 Sitze kommen. Sarkozy hatte sich nach der verlorenen Präsidentschaftswahl ganz aus der Politik zurückgezogen.

Die endgültige Zusammensetzung der neuen Nationalversammlung mit ihren 577 Abgeordneten steht aber erst nach der zweiten Runde der Parlamentswahl am kommenden Sonntag fest. Bei ihr wird in den Wahlkreisen noch einmal gewählt, in denen keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit schaffte. Gewählt ist in der Stichwahl der Kandidat mit den meisten Stimmen.

Rechtsextreme Front mit starkem Ergebnis

Stark schnitt erneut die Front National (FN) um die Rechtspopulistin Marine Le Pen ab. Mit ihrer Wahlplattform Rassemblement bleu Marine (Marine-blaue Allianz) holte sie nach Hochrechnungen des TV-Nachrichtensenders BFM 13,6 Prozent der Stimmen. Weil sie keine Verbündeten hat, werden der FN aber lediglich Chancen auf eine Handvoll Sitze eingeräumt – bisher stellt sie keine Abgeordneten. TF 1 sprach von keinem bis maximal drei Mandaten für die FN. In Frankreich gilt das absolute Mehrheitswahlrecht, das kleine Parteien ohne Bündnispartner stark benachteiligt.

Sollte es wie erwartet eine neue Mehrheit in der Nationalversammlung geben, könnte die französische Linke nahezu ungehindert die Politik der zweitgrößten EU-Volkswirtschaft bestimmen. Es wäre zudem das erste Mal, dass in Frankreich eine linke Partei den Präsidenten stellt und zudem die Mehrheit in beiden Parlamentskammern hat. Im Senat hat die Linke bereit seit dem vergangenen Jahr eine Mehrheit.