Nach dem Sieg des Politikers Mohammed Mursi bei der ägyptischen Präsidentschaftswahl hat Israel den Willen zu einer Fortsetzung der Zusammenarbeit beider Länder betont. Israel schätze den "demokratischen Prozess" in Ägypten und respektiere den Wahlausgang, hieß es in einer Erklärung des Büros von Regierungschef Benjamin Netanjahu. "Israel beabsichtigt, seine Zusammenarbeit mit der ägyptischen Regierung auf der Grundlage des Friedensvertrags (von 1979) fortzusetzen."

Israel und Ägypten hatten 1979 einen Friedensvertrag geschlossen; jahrzehntelang herrschte ein "kalter Frieden" zwischen beiden Ländern. Seit dem Sturz Mubaraks Anfang 2011 haben die Spannungen zwischen Kairo und Jerusalem stark zugenommen. Mit dem Sieg der Islamisten befürchtete Israel eine weitere Verschlechterung der Beziehungen. Ägypten füllt jedoch bisher weiter die Rolle eines Vermittlers zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas aus.

Hamas feiertMursis Wahlsieg

Die Hamas nahm den Wahlsieg des Kandidaten Mursi in Ägypten begeistert auf. Mit Verkündung der Wahlergebnisse feierten Hunderte Hamas-Mitglieder auf den Straßen, verteilten Süßigkeiten und gaben Freudenschüsse in die Luft ab. Hamas-Führer Ismail Hanija gratulierte Mursi telefonisch zu seinem Sieg, wie sein Büro mitteilte. Der Hamas-Führer Mahmud al-Sahar sagte, Mursis Sieg bedeute Unterstützung für den Kampf gegen die israelische Besatzung. "Der Verlierer in diesem Kampf sind Israel und seine Verbündeten in der Region", sagte Al-Sahar mit Blick auf die gemäßigtere Palästinenserorganisation Al-Fatah.

Die Bewegung Hamas war ursprünglich aus der ägyptischen Muslimbruderschaft hervorgegangen. Sie hatte 2007 gewaltsam die Kontrolle im Gaza-Streifen übernommen. Hamas hofft nach dem Wahlsieg Mursis auf eine weitere Lockerung der israelischen Blockade des Palästinensergebiets am Mittelmeer .

Auch die USA gratulierten Mursi zu seinem Wahlerfolg. Die neue ägyptische Regierung müsse ihre Rolle als "Eckpfeiler des regionalen Friedens" erfüllen, hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses. Eine wichtige Aufgabe Mursis sei es, "in dieser historischen Zeit Schritte zu unternehmen, um die nationale Einheit voranzubringen" und in einem nationalen Dialog eine neue Regierung zu bilden.

Der Muslimbruder Mursi war am Sonntag von der ägyptischen Wahlkommission zum Sieger der Stichwahl vom 16. und 17. Juni erklärt worden. Der 60-Jährige setzte sich gegen Ex-Regierungschef Ahmed Schafik durch.