Libysche Behörden haben vier Mitarbeiter des Internationalen Strafgerichtshofs festgesetzt. Ihnen werden laut Gericht Spionage und "Kontakt mit dem Feind" vorgeworfen. Der Präsident des Gerichtes, Sang-Hyun Song, forderte Libyen zur sofortigen Freilassung der Mitarbeiter auf: "Wir sind sehr besorgt um ihre Sicherheit, es gibt überhaupt keinen Kontakt zu ihnen."

Song erinnerte Libyen daran, dass die Delegation in offiziellem Auftrag des Gerichts unterwegs sei und Immunität genieße. Libyen sei nach einer Resolution der Vereinten Nationen zudem verpflichtet, umfassend mit dem Gerichtshof zusammenzuarbeiten .

Libysche Milizvertreter warfen den Juristen vor, zu spionieren und mit dem inhaftierten Diktatorensohn Saif al-Islam Gaddafi gemeinsame Sache zu machen. Das libysche Außenministerium rief den Gerichtshof in Den Haag auf, die Immunität seiner Mitarbeiter aufzuheben. Danach werde Libyen den Fall untersuchen.

Pflichtverteidigerin soll mit Gaddafis Sohn paktieren

Bei den Festgesetzten handelt es sich um eine Gruppe unter Leitung der Australierin Melinda Taylor. Sie ist die Pflichtverteidigerin von Saif al-Islam und besuchte ihn in Sintan, wo dieser seit seiner Festnahme im November festgehalten wird. Die libysche Generalstaatsanwaltschaft hatte den Besuch der Delegation zuvor genehmigt. Allerdings werfen die Behörden des Landes Taylor nun vor, mit Saif al-Islam geheime Dokumente ausgetauscht zu haben.

Ein Milizkommandeur sagte dem Fernsehsender Al Jazeera, man habe bei den Besuchern Briefe Saif al-Islams gefunden, in denen er die libysche Regierung für unrechtmäßig erkläre. Diese Briefe hätten die Juristen des Strafgerichts Helfern Saif al-Islams übergeben wollen, sagte der Milizionär. Auch Spionage-Ausrüstung sei sichergestellt worden.

Taylor wurde dem Milizkommandeur zufolge nicht ins Gefängnis gebracht, sondern steht unter Hausarrest. Das australische Außenministerium teilte mit, es bemühe sich um konsularische Hilfe für Taylor und um Klarstellungen der libyschen Regierung.

Saif al-Islam ist ein Sohn des gestürzten und getöteten Machthabers Muammar al-Gaddafi . Der 39-Jährige war im November 2011 im Süden Libyens nahe der Grenze zum Niger gefasst worden. Der Internationale Strafgerichtshof hat gegen ihn einen internationalen Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit erlassen. Die neuen Machthaber wollen ihn aber im Lande richten und nicht an Den Haag überstellen.