Trotz anfänglichen Gewitterregens haben sich in Moskau Zehntausende Regierungskritiker versammelt. Mit Transparenten und Fahnen protestieren Oppositionelle und ihre Anhänger gegen die Regierung und Präsident Wladimir Putin . Der Umzug findet am Tag der Unabhängigkeit statt, viele Russen haben frei. "Der Tag Russlands – ohne Putin" ist einer der Slogans .

Unter den Teilnehmern sind nach Angaben der Nachrichtenagentur Ria Novosti auch Aktivisten der Bewegungen Solidarität und Linksfront sowie Vertreter der Parteien Jabloko und Gerechtes Russland. Der Linkspolitiker Sergej Udalzow, einer der Mitorganisatoren, rief die Teilnehmer auf, das "Manifest des freien Russland" zu unterstützen. Es soll bei der Kundgebung am Nachmittag verabschiedet werden. Darin verlangten die Verfasser unter anderem, dass die Polizei die Oppositionellen frei lässt, die vor der Demo festgenommen worden waren.

Die Angaben über die Teilnehmerzahl bei der Demonstration lagen weit auseinander. Während die Polizei von 18.000 Demonstranten sprach, nannte der Oppositionsabgeordnete Ilja Ponomarjow eine Zahl von bis zu 70.000. Fernsehaufnahmen aus der Luft legten nahe, dass mindestens 36.000 Demonstranten unterwegs waren. Die Moskauer Stadtverwaltung hatte eine Kundgebung mit 50.000 Menschen genehmigt.

Der Protestzug startete am Puschkin-Platz. Bei sonnigem Wetter erreichten die Menschen den Sacharow-Prospekt, wo eine Reihe Putin-Kritiker auf einer Kundgebung sprachen. (Die regierungskritische Zeitung Nowaja Gazeta berichtet live via Facebook)

Die Polizei bezog mit einem Großaufgebot Stellung. Mehr als 12.000 Polizisten und Beamte des Innenministeriums waren nach offiziellen Angaben in der Hauptstadt eingesetzt. Im Stadtzentrum sperrten Einsatzwagen ganze Straßenzüge ab. Rettungswagen standen bereit. Via Internet gaben sich die Demonstranten Hinweise , wie sie sich im Falle einer Festnahme verhalten sollen.

Unmittelbar vor der Protestaktion waren mehrere regierungskritische Internetseiten lahmgelegt worden. Die Homepages der Zeitung Nowaja Gazeta , des Radiosenders Echo Moskwy sowie des Fernsehkanals Doschd waren nicht zu erreichen. Es habe eine DDoS-Attacke gegeben, teilte der TV-Sender mit. Bei solchen Attacken werden Server so lange mit Anfragen überflutet, bis sie überlastet sind.