Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel ( FDP ) hat als erster europäischer Minister den neuen Präsidenten Paraguays , Federico Franco, getroffen. "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass es bei dem Regierungswechsel verfassungswidrig zugegangen ist", sagte der Minister. Das Parlament sowie der Senat hätten dem Amtsenthebungsverfahren des früheren Präsidenten Fernando Lugo mehrheitlich zugestimmt.

Wegen heftiger Kritik war Francos Vorgänger, Fernando Lugo , vom Parlament des Amtes enthoben worden. Bei Ausschreitungen waren zuvor mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen – Lugo wird dafür nun mitverantwortlich gemacht.

Sozialistische wie konservative Staatschefs Südamerikas kritisierten die Absetzung Lugos und erklärten, Franco nicht anzuerkennen.

"Ich unterwerfe mich der Entscheidung des Kongresses", sagte Lugo in einer Erklärung im Präsidentenpalast. Zuvor hatte er einem argentinischen Radiosender gesagt, das Ganze sei "ein als legaler Vorgang getarnter Putsch des Parlaments". Er hatte vergeblich beim Obersten Gerichtshof Beschwerde eingelegt.

Im Senat stimmten 39 von 43 anwesenden Senatoren für die Absetzung des Staatschefs, am Donnerstag hatten 76 von 80 Abgeordneten des Unterhauses dafür gestimmt. Nach dem Senatsvotum kam es vor dem Parlamentsgebäude zu Ausschreitungen zwischen Anhängern und Gegnern Lugos. Die Polizei setzte Knüppel, Tränengas und Wasserwerfer ein und trieb die Demonstranten auseinander.

Konflikt zwischen Großgrundbesitzern und landlosen Bauern

Die Abgeordneten warfen Lugo eine "schlechte Ausübung" seines Amtes im Zusammenhang mit einem Polizeieinsatz bei Protesten landloser Bauern Mitte Juni vor, bei dem elf Bauern und sechs Polizisten getötet wurden. Lugo hatte danach den Polizeichef und den Innenminister entlassen. In Paraguay, einem der ärmsten Staaten Südamerikas, gibt es häufig Konflikte um Land. Zwei Prozent der Bevölkerung halten rund 80 Prozent des Landes in ihren Händen.

Der 49-jährige Franco soll Paraguay bis zu den regulären Wahlen 2013 führen. Lugo, der erst kürzlich eine Erkrankung an Lymphdrüsenkrebs überstanden hatte, wollte 2013 nicht für eine weitere Amtszeit antreten.