Die Razzien bei Oppositionellen in Russland haben weltweit für Kritik gesorgt. In den USA äußerte sich ein Außenamtssprecher "tief besorgt über die offensichtliche Schikane der russischen Opposition vor den geplanten Demonstrationen". Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International verurteilte die Durchsuchungen als politisch motiviert. Selbst der Menschenrechtsbeauftragte des Kreml, Michail Fedotow, zeigte sich "schockiert". Er rief Demonstranten und Sicherheitskräfte zur Zurückhaltung bei der für den heutigen Dienstag geplanten Kundgebung auf.

Die russische Opposition hat in Moskau zum "Marsch der Million" gegen Kremlchef Wladimir Putin aufgerufen. Im Zentrum der Hauptstadt ist eine Kundgebung von bis zu 50.000 Teilnehmern genehmigt. Die Kundgebung am Russland-Tag, mit dem der Unabhängigkeit 1990 gedacht wird, ist der erste Massenprotest seit der Einführung eines verschärften Versammlungsgesetzes.

Mehrere Oppositionelle dürften die Kundgebung verpassen, denn sie erhielten für Dienstag Vorladungen der Polizei . Bereits am Montag hatten Polizisten die Wohnungen von prominenten Regierungsgegnern durchsucht, darunter die von TV-Moderatorin Xenia Sobtschak und dem Oppositionsführer Alexej Nawalni. Es werde wegen der Anstiftung zu Massenunruhen während einer Anti-Putin-Demonstration am 6. Mai ermittelt, hieß es zur Erklärung. Wie Betroffene schilderten, beschlagnahmten die Beamten Computerfestplatten und andere Speichermedien.

Verschärftes Demonstrationsrecht

Schon Anfang Mai hatten in Moskau und vielen weiteren Städten Zehntausende Menschen gegen Putins Rückkehr ins Präsidentenamt demonstriert. Am Rande der Proteste gab es damals auch Ausschreitungen, 400 Menschen nahm die Polizei fest, darunter auch die Oppositionsführer Nawalni und Sergej Udalzow.

Brisanz gewinnen die Durchsuchungen auch durch die von Putin am Freitag unterzeichnete Verschärfung des Demonstrationsrechts . Geldstrafen für die Teilnahme an Protesten, die nach Einschätzung der Behörden die öffentliche Sicherheit gefährden, sind seitdem drastisch erhöht. Teilnehmer können mit umgerechnet etwa 7.000 Euro, Organisatoren mit bis zu knapp 25.000 Euro belangt werden.