Auf dem EU-Russland-Gipfeltreffen in Wladimir Putins Heimatstadt werden EU-Vertreter auf den russischen Präsidenten einwirken, schärferen Sanktionen gegen Syrien zuzustimmen. Gemeinsam mit China hat Russland im UN-Sicherheitsrat bisher verhindert, dass die Vereinten Nationen den Druck auf das Regime in Syrien erhöhen können, das mit Militärgewalt gegen systemkritische Bürger vorgeht. Die Haltung der Europäischen Union lehnt Russland als einseitig ab.

Zwar lobte die Regierung in Moskau vor dem Treffen die hervorragende Entwicklung der strategischen Partnerschaft mit der EU. Doch Experten erwarteten einen schwierigen Gipfel. "Es geht darum zu prüfen, ob wir dieselbe Vision haben, wo wir mit unserer Partnerschaft hinwollen", hieß es aus EU-Kreisen. Nicht nur in der Syrienfrage gebe es Differenzen. In der EU herrscht die Ansicht vor, "dass Russlands derzeitige Haltung sicherlich nicht förderlich ist bei der Suche nach einer Lösung". EU-Außenbeauftragte Caroline Ashton sagte, man werde "eng mit Russland zusammenarbeiten, um die Gewalt in Syrien zu beenden".

Gemeinsam mit der UN-Vetomacht China verweigerte die Regierung in Moskau bislang jeder UN-Resolution die Zustimmung, die Syriens Präsident Baschar al-Assad zum Rücktritt aufforderte. Ein Machtverzicht des Herrschers könne keine Vorbedingung für einen politischen Dialog sein, lautet die offizielle Haltung in Moskau.

Menschen leiden unter Gewalt

Assad hatte am Wochenende die Verantwortung für ein opferreiches Massaker abgelehnt , dass syrische Milizionäre in der Stadt Hula angerichtet hatten. Dort starben mehr als 100 Menschen. Das Massaker hatte die Diskussion über den überfälligen Machtwechsel in Syrien verstärkt. Angesichts der laut UN bisher etwa 10.000 Todesopfer wächst der Druck, Sanktionen zu verschärfen und Assad zum Machtverzicht zu bewegen.

"Die normalen Menschen in Syrien leiden heute unter der Gewalt, nicht unter den Sanktionen", sagte EU-Ratspräsident Herman van Rompuy der Agentur Interfax. Ein nicht näher genannter EU-Vertreter sagte der Agentur Reuters, man erwarte, "dass Russland seinen vollen Einfluss geltend macht, um Assad zur Umsetzung des UN-Friedensplanes zu überzeugen". Den Plan hatte der UN-Sonderbeauftragte für Syrien, Kofi Annan , entwickelt. Ein in diesem Rahmen vereinbarter Waffenstillstand zwischen den Rebellen und den Regimetruppen trat aber bisher nicht ein.

Beobachter erwarten keine Änderung

Die Außenbeauftragte Ashton sagte, Russlands Rolle sei "ausschlaggebend für den Erfolg des Friedensplanes". Beobachter erwarten, dass der Druck auf Russland steigt, selbst einen Kompromiss auszuloten, der einen Rückzug Assads und einen Machtwechsel beinhaltet. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte, sie habe in einem Telefonat ihrem russischen Amtskollegen deutlich gemacht, dass der Fokus der Bemühungen nun auf einem Machtwechsel liege. Assads Abdankung sei keine Vorbedingung für Gespräche, müsse aber das Ergebnis sein, damit die Syrer ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen könnten, sagte sie.

Beobachter rechnen mit keiner maßgeblichen Änderung des Verhältnisses zwischen Russland und EU. BBC-Reporter Steve Rosenberg schätzt, dass es eher bei einem gegenseitigen Abtasten bleibt, um herauszufinden, wie sich das Verhältnis zwischen EU und Russland während der sechsjährigen Amtszeit des russischen Präsidenten entwickeln wird.

Im Anschluss nach China

Van Rompuy, Kommissionspräsident José Manuel Barroso und die Außenbeauftragte Ashton wollten in St. Petersburg auch die Menschenrechte in Russland ansprechen. Andererseits erwartete die EU "viele russische Fragen" zur Euro-Krise.

Putin reist nach dem Gipfel nach China. Dort trifft er sich am Rande einer Konferenz der Shanghai-Organisation auch mit dem umstrittenen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad .