Staats- und Regierungschefs wie Wladimir Putin und Angela Merkel klammern sich offiziell noch an den UN-Friedensplan in der Hoffnung, die verfeindeten Parteien in Syrien mit Diplomatie zu befrieden. Doch die syrische Opposition hat den Friedensplan des UN-Sonderbeauftragten Kofi Annan für gescheitert erklärt und eine Verschärfung der militärischen Auseinandersetzung angekündigt. Ein Sprecher der Aufständischen sagte, man fühle sich nicht mehr an die im Annan-Plan festgelegte Waffenruhe gebunden und habe nach Ablauf des Ultimatums an Staatschef Baschar al-Assad am vergangenen Freitag damit begonnen, "das Volk zu verteidigen". "Wir haben beschlossen, unser Bekenntnis zum Annan-Plan zu beenden", sagte Rebellensprecher Sami al-Kurdi.

Der Sprecher des Militärrates der Rebellen forderte, die UN-Beobachtermission in Syrien in eine bewaffnete Friedenstruppe umzuwandeln. Auch die Errichtung einer Flugverbotszone und einer militärisch abgesicherten Pufferzone müsse erwogen werden.

Allerdings bilden sich innerhalb der Aufständischen immer mehr autonom operierende Gruppierungen. So schlossen sich Oppositionelle mit islamistischer Prägung zur "Front islamischer Brigaden" zusammen, die etwa 16.000 Kämpfer in ihren Reihen habe, sagte ein Sprecher in Istanbul . Die Phase, in der es ausgereicht habe, die Zivilisten zu schützen, sei vorbei. "Jetzt ist die Zeit gekommen für die Befreiung des Landes von diesem Tyrannenregime", sagte der Sprecher. Der bewaffnete Kampf sei der einzige Weg, nachdem der Friedensplan Annans gescheitert sei.

Westerwelle reist in den Golf

Die Kampfbereitschaft der Opposition ist nach der jüngsten Eskalation der Gewalt deutlich gewachsen. Zudem hatte Assad mit einer Rede am Sonntag zur weiteren Eskalation des Konflikts beigetragen. In der einstündigen Ansprache verglich er das Vorgehen von Armee und Sicherheitskräften mit der Arbeit eines Chirurgen. Wenn der Chirurg sein Skalpell einsetze, um das Leben des Patienten zu retten, werfe ihm schließlich auch niemand vor, dass Blut an seinen Händen klebe, sagte Assad. Zudem machte er ausländische Mächte und terroristische Banden für die Gewalt in Syrien verantwortlich.

Die Regierungen Deutschlands und Frankreichs wollen den Druck auf das syrische Regime weiter erhöhen. "Wir wollen, dass der internationale Druck wächst", sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle ( FDP ) nach einem Gespräch mit seinem französischen Kollegen Laurent Fabius. "Niemand sollte eine schützende Hand über das Regime halten", sagte Westerwelle, ohne Russland oder China beim Namen zu nennen. Westerwelle brach im Anschluss zu einer Reise in die Golf-Region auf, um einen Ausweg aus dem Syrien-Konflikt zu beraten.

Vor allem Russland ist bislang nicht dazu bereit, das syrische Regime stärker unter Druck zu setze n oder sich ganz von Assad als Verbündeten zu lösen. Bei einem Gipfeltreffen in St. Petersburg scheiterte die EU mit einem Versuch , Russland zu einem härteren Vorgehen zu bewegen.