Die UN-Militärbeobachter sind auf ihrem Weg zu der syrischen Siedlung Al-Kobeir aufgehalten worden. In dem Ort waren Dutzende Zivilisten getötet worden. "Sie werden an Straßensperren der syrischen Armee gestoppt und zum Teil auch zurückgeschickt", sagte der Leiter der UN-Beobachtermission, General Robert Mood. Nach Angaben von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon sind die Beobachter dabei auch beschossen worden.

Ein Sprecher der Beobachtermission in Damaskus sagte, die UN-Beauftragen seien am Morgen von der Stadt Hama aus in Richtung Al-Kobeir gefahren, wo am gestrigen Mittwoch nach Angaben von Aktivisten etwa 80 Männer, Frauen und Kinder getötet worden waren . Die Oppositionellen machten das Militär und die regimetreue Schabiha-Miliz für das Massaker verantwortlich. Ban nannte das Massaker "schockierend und widerwärtig" und sagte, Syriens Staatschef Baschar al-Assad habe "jede Legitimität verloren".

Syrische Menschenrechtler hatten die unbewaffneten Beobachter der Vereinten Nationen aufgefordert, unverzüglich zu der Siedlung zu fahren. Die Allgemeine Kommission der Syrischen Revolution erklärte, einige Leichen von Opfern seien in das benachbarte Dorf Marsaf gebracht worden, wo sie beerdigt werden sollten. Am Donnerstag seien dann Dutzende von syrischen Soldaten und Milizionären nach Marsaf gekommen und hätten etliche der Leichen mitgenommen.

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Die staatliche Nachrichtenagentur Sana dementierte die Berichte der Opposition. Sie erklärte, "bewaffnete Terrorgruppen" hätten die Siedlung überfallen und dort neun Frauen und Kinder getötet. Ihr Ziel sei es offensichtlich gewesen, vor der Sitzung im Sicherheitsrat Druck auszuüben. Daraufhin seien die Regierungstruppen dort aufmarschiert. Bei einem anschließenden Gefecht seien mehrere der Angreifer und zwei Angehörige der Regierungstruppen getötet worden.

Thema im UN-Sicherheitsrat

Die syrischen Regimegegner forderten die Vereinten Nationen auf, militärisch einzugreifen. In einer Erklärung der Allgemeinen Kommission der Syrischen Revolution hieß es, ohne Zwangsmaßnahmen zum Schutz von Zivilisten nach Kapitel 7 der UN-Charta könne das Blutvergießen nicht beendet werden. Das Kapitel regelt auch nicht-militärische Maßnahmen. UN-Vollversammlung und Sicherheitsrat wollen sich am Donnerstag mit der Lage in Syrien beschäftigen.

Allerdings machten die UN-Vetomächte China und Russland erneut ihren Widerstand gegen ein Eingreifen deutlich. Bei einem Treffen der Shanghaier Kooperationsorganisation (SCO) in Peking hieß es in der Abschlusserklärung, sie lehnten "eine bewaffnete Intervention oder einen erzwungenen Regimewechsel" ab. Außerdem seien sie gegen "einseitige Sanktionen", die nur gegen das Regime Assads gerichtet seien.

US-Außenministerin Hillary Clinton rief Russland auf, einen Plan für eine geordnete Übergabe der Macht in Syrien zu unterstützen. Sie werde einen Berater zu Gesprächen nach Moskau schicken. Assad gehe noch brutaler gegen die Opposition vor und lasse skrupellose Verbrechen verüben. Er müsse zurücktreten und das Land verlassen.