Anfang Juni bekamen die Demokraten einen Warnschuss. Im Bundesstaat Wisconsin wollten sie gegen die Republikaner ein Exempel statuieren und den amtierenden Gouverneur Scott Walker per Abwahlverfahren aus dem Amt jagen. Das Verfahren sollte nicht weniger als das Ende der rechten Tea-Party-Bewegung einleiten, deren prominentes Mitglied Walker ist. Doch die mächtigen Geldgeber der Konservativen sprangen dem Gouverneur zur Seite. Bereits zwei Wochen vor der Wahl hatte Walker 31 Millionen Dollar gesammelt – sein politischer Gegner Tom Barrett kam auf 4 Millionen. Walker setzte sich durch – und bescherte den Demokraten eine Blamage.

Im Wahlkampfteam von Barack Obama schrillten die Alarmglocken. Denn wichtigster Geldgeber hinter der Kampagne des Tea-Party-Kandidaten war eine Organisation namens Americans for Prosperity ( AFP ) – vor acht Jahren gegründet von Charles und David Koch.

"Die Kochs werden in der diesjährigen Wahl von entscheidender Bedeutung sein", ist sich Robert Greenwald, Regisseur des Films Koch Brothers Exposed , sicher. Hinter den Kulissen, sagt Greenwald, nähmen die Brüder Einfluss auf fast alle Bereiche des amerikanischen Lebens. "Sie haben die USA im Alleingang nach rechts gerückt."

Die Brüder, 72 und 76 Jahre alt, sind die Haupterben von Koch Industries, dem zweitgrößten privaten Unternehmen des Landes. Der Umsatz liegt heute bei über 100 Milliarden Dollar, das Konglomerat mit Sitz in Wichita, Kansas , beschäftigt weltweit 70.000 Mitarbeiter in 60 Ländern. Der verschwiegene Konzern besitzt Ölraffinerien und Pipelines, stellt Einwegbecher, Düngemittel und Holz her. Die Brüder gehören mit je 25 Milliarden Dollar Privatvermögen zu den zehn reichsten Amerikanern. Koch Industries ist größer als Microsoft.

Misstrauen gegen starke Regierung

Doch kaum einer im Land kennt den Namen Koch Industries. Bis heute ist die Firma nicht an der Börse gelistet, in der Öffentlichkeit taucht sie nur selten auf. "Wir sind das größte Unternehmen, von dem Sie nie gehört haben", scherzt David Koch in Interviews. Die Details, stellte die Rechercheorganisation Center for Public Integrity zynisch fest, seien nur der Firma selbst und der Steuerbehörde bekannt.

Von ihrem Vater übernahmen Charles und David Koch nicht nur den Betrieb, sondern auch dessen politische Ansichten, die Paranoia vor dem sowjetischen Kommunismus ebenso wie das Misstrauen in eine starke Regierung. Washington , das ist ihr Credo, solle sich auf eine einzige Aufgabe beschränken: den Schutz der Rechte des Einzelnen. "Die Koch-Brüder sind zutiefst ideologisch, das unterscheidet sie von vielen anderen Geldgebern", sagt Joseph Lowndes , Professor für Politikwissenschaft an der Universität von Oregon .

Um ein Amerika nach ihren Ansichten zu formen, pumpen die Brüder riesige Geldsummen in die politischen Kanäle des Landes. 2010 spendete laut der Seite OpenSecrets kein Unternehmen aus der Öl- und Gasindustrie mehr. Insgesamt 1,27 Millionen Dollar flossen durch den Lobbyarm von Koch Industries nach Washington – nur 112.000 Dollar davon gingen an die Demokraten. In diesem Jahr hat der Konzern bereits mehr als 888.000 Dollar gespendet, 867.000 davon an die Republikaner. Politische Gegner, sagt Lowndes, könnten die Brüder mit ihren Millionen "jederzeit kaltstellen". Ernsthafte Gegengewichte am anderen Ende des politischen Spektrums gebe es nicht.