Fünf Monate vor der US-Präsidentenwahl haben die Demokraten um Amtsinhaber Barack Obama eine politische Niederlage erlitten. Die Partei scheiterte mit der Abwahl des republikanischen Gouverneurs Scott Walker im US-Bundesstaat Wisconsin . Nach übereinstimmenden Prognosen großer TV-Sender konnte sich der Herausforderer Tom Barrett bei den mehr als zwei Millionen Wählern nicht durchsetzen. Nach Auszählung von 88 Prozent der Stimmen erhielt Walker dem Nachrichtensender CNN zufolge 54 Prozent, Barrett kam auf 45 Prozent.

Dem Ergebnis wird in den USA Symbolkraft für die Präsidentenwahl im November zugemessen. Ihm galt daher großes Interesse. Denn Wisconsin ist einer jener Bundesstaaten, in denen sich Mehrheiten für Republikaner und Demokraten abwechseln. Beim Duell zwischen Obama und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney am 6. November werden diese sogenannten swing states wahlentscheidend sein. Obama hatte in Wisconsin vor vier Jahren klar gewonnen. Nach Einschätzung von Experten muss der Präsident hier erneut gewinnen, um den Wiedereinzug ins Weiße Haus zu schaffen.

Bei der Abstimmung über den Gouverneursposten handelte es sich um eine seltene recall election , dem Versuch, einen Gouverneur vorzeitig aus dem Amt zu wählen. Walker hatte im vergangenen Jahr für Aufruhr gesorgt, als er im Kongress des hoch verschuldeten Staates ein umstrittenes Spargesetz durchbrachte. Es strich die Rechte der Gewerkschaften, für öffentliche Angestellte Tarifverträge auszuhandeln. Gegner sammelten daraufhin fast eine Million Stimmen, um eine Abstimmung über die Abwahl des Gouverneurs zu erzwingen. Politische Beobachter hatten die Abstimmung darum auch als Referendum über den Rechtsruck der Republikaner unter dem Einfluss des Tea-Party-Flügels gewertet.

Millionensummen für einen Regionalwahlkampf

Angesichts der hohen symbolischen Bedeutung der Wahl hatten Demokraten und Republikaner Millionensummen in den Wahlkampf in Wisconsin gesteckt. Insgesamt wurden US-Medien zufolge seit November rund 64 Millionen Dollar (51 Millionen Euro) ausgegeben, der Großteil davon entfiel auf Walker. In dem ländlichen Bundesstaat mit nur 5,7 Millionen Einwohnern stehen sich die zwei politischen Lager unversöhnlich gegenüber.

Präsident Obama hatte sich aus dem regionalen Wahlkampf weitgehend herausgehalten und war nicht nach Wisconsin gereist. Nur in einer E-Mail und über Twitter sprach er Barrett seine Unterstützung aus. Sein Parteifreund "wäre ein herausragender Gouverneur für Wisconsin", hatte der Präsident kurz vor der Abstimmung geschrieben.

Die Republikaner hielten am Dienstag auch Vorwahlen in den Bundesstaaten Kalifornien , Montana , South Dakota, New Jersey und New Mexico ab, die der designierte Präsidentschaftskandidat Romney alle klar gewann. Der Ex-Gouverneur von Massachusetts verfügt bereits seit Ende Mai über ausreichend Delegiertenstimmen , um auf dem Nominierungsparteitag seiner Partei im August offiziell zum Herausforderer von Obama gekürt zu werden.