Wir Amerikaner lieben unsere Waffen, und daran sind die Europäer schuld.

Es fing vor mehr 250 Jahren an. Damals herrschte in Europa noch das mittelalterliche Prinzip: Nur der Adel darf Waffen tragen. Zwar leisteten sich schon manche Länder so etwas Neuartiges wie ein stehendes Heer, in dem auch ausgewählte Mitglieder des Pöbels im Umgang mit Waffen trainiert wurden. Dennoch blieben Waffen insgesamt Sache der Obrigkeit.

In Amerika gab es keine solchen Gesetze. Im Gegenteil: Das Land war Wildnis. Man brauchte zum Überleben eine Waffe. Der größte Teil der Bevölkerung war bewaffnet, Frauen und Kinder eingeschlossen.

Diese existenzielle Beziehung zur Waffe setzte sich im wilden Westen fort, und der Westen war noch bis in die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts wild. Das ist gar nicht so lange her. Im Süden und im Westen ist der Umgang mit der Waffe immer noch ein Symbol der Eigenständigkeit und für junge Männer auch ein Schritt ins Erwachsenenalter.

In den Medien – in Amerika wie auch in Deutschland – wird der amerikanische Waffenbesitzer meist als primitiver Redneck dargestellt. Davon gibt es ja auch genug. Der durchschnittliche Waffenbesitzer aber sieht eher aus wie mein Vater. Er wuchs in einer Holzhütte tief im Westen im ländlichen Washington State an der Grenze zu Kanada auf. Es war mitten in der Großen Depression, als die gesamte Wirtschaft um ihn herum zusammenbrach und die Arbeitslosigkeit teilweise bis auf 30 Prozent stieg.

Nur die Waffen ließen viele Amerikaner überleben

Zum Glück lebten er und sein Vater am Rande eines Waldes. Wurde das Essen rar, nahmen sie ihre Gewehre – mein Vater die Schrotflinte, sein Vater sein Gewehr aus dem Ersten Weltkrieg – gingen in den Wald und kamen mit Hasen, Eichhörnchen und Vögeln wieder heraus. Illegal, versteht sich. So haben sie überlebt. So haben viele Amerikaner überlebt.

Als er dann in der Armee war und im Zweiten Weltkrieg in Übersee diente, machte er mit anderen Waffen Bekanntschaft und brachte ein paar davon mit zurück. Waffen begleiteten ihn sein ganzes Leben lang. Sie waren auch Teil unserer Erziehung.

Es war ihm wichtig, dass wir Jungs wussten, mit Gewehren umzugehen. Wie man sie trägt, hält, wie man sie sicher aufbewahrt. Er brachte uns den Unterschied zwischen Spiel und Ernst bei, lehrte uns, dass man mit manchen Dingen niemals spaßt. Als er starb, bekam ich die alte Schrotflinte. Das macht mich zu einem der rund 80 Millionen Amerikanern, die Waffen besitzen.