An einem Tag Mitte Juli drangen Patrouillenboote der chinesischen Fischereiflotte in japanische Gewässer um die Senkaku-Inseln ein. Just an dem Tag traf Japans Außenminister Koichiro Gemba seinen chinesischen Amtskollegen Yang Jiechi auf der Asean-Konferenz in Phnom Penh. Gemba protestierte heftig und rief wenig später den japanischen Botschafter in Peking , Uichiro Niwa, zurück nach Tokio.

Der Streit um die unbewohnten Senkaku-Inseln, auf die China und Taiwan Anspruch erheben, ist brisant. Sie liegen in reichen Fischgründen und – was wichtiger ist – auf einem Schelfmeersockel, der große Öl- und Gasvorkommen birgt. Und das in Zeiten, in denen Chinas Energiehunger ungebremst ist und Japan um eine neue Energiepolitik jenseits der Atomkraft ringt. Gleichzeitig geht es um Macht und die Positionierung der beiden größten Spieler Ostasiens in der Region .

Die Kreuzfahrt der chinesischen Patrouillenboote kam dabei nicht aus heiterem Himmel. Sie war eine Reaktion auf die Ankündigung der japanischen Regierung, einige der Senkaku-Inseln zu kaufen. Gegenwärtig besitzt die Regierung eine der Inseln, die übrigen pachtet sie von einem privaten Eigentümer. Eigenen Staatsangehörigen sowie solchen anderer Länder verbietet sie es, auf den Inseln zu landen. Aufgeregte Nationalisten Chinas, Taiwans und Japans verstoßen gelegentlich gegen das Verbot, aber im Großen und Ganzen war diese Stillhaltepolitik einigermaßen erfolgreich. Man hoffte auf eine Kompromisslösung dieses Territorialkonflikts.

Gouverneur von Tokio provoziert Regierung

Der Ankauf der Inseln soll an dieser Politik nach einer Erklärung der japanischen Regierung nichts ändern. Gleichwohl betrachten die Chinesen ihn als Provokation, denn er geht nicht auf einen gut vorbereiteten und der chinesischen Seite mitgeteilten Plan zurück, sondern auf eine Initiative eines Rechtsaußen namens Shintaro Ishihara, dem Gouverneur der Stadt Tokio. Auf einer Pressekonferenz in Washington gab er bekannt, die Stadt Tokio sei im Begriff, die Inseln zu kaufen, damit Japans territoriale Integrität besser gewahrt werden könne und setzte die Regierung damit unter Druck.

Außenminister Gemba und Japans Premier Noda fehlte es darauf an diplomatischer Stärke, Ishihara zurechtzuweisen. Stattdessen gab die Regierung bekannt, dass sie die Inseln kaufen werde. China-Botschafter Niwa hingegen, der vor einer gravierenden Verschlechterung des japanisch-chinesischen Verhältnisses warnte, wurde brüsk abgekanzelt.

So wirkt die japanische Politik schwach und konfus, getrieben mehr als durchdacht und zielstrebig. Tokios Außenpolitik stammt aus einer vergangenen Epoche, als Japans Stern leuchtete. Aus einer Position relativer Stärke, dachte man bei Konflikten auf Zeit spielen zu können. Mittlerweile ist die Tugend der Geduld jedoch zur Einfallslosigkeit verkommen. Japans Abstieg koinzidiert mit Chinas Aufstieg, Russlands Erholung dank neu gewonnenen Rohstoffreichtums und Südkoreas gewachsener Bedeutung als Konkurrent auf dem Weltmarkt.

Nicht zufällig stattete jüngst Russlands Ministerpräsident Medwedew der Kurilen-Insel Kunashiri einen Besuch ab, was Außenminister Gemba eine "kalte Dusche für die japanisch-russischen Beziehungen" nannte. Moskau erhebt Anspruch auf die vier nördlich von Hokkaido gelegenen südlichen Kurilen. Japan bezeichnet die seit 1945 von der UdSSR und dann von Russland kontrollierten Inseln als japanisches Gebiet.