Einen in den fünfziger Jahren von Stalin und Anfang dieses Jahrhunderts von Putin wiederholten Vorschlag, den Konflikt durch Teilung aus der Welt zu schaffen und einen Friedensvertrag zu schließen, lehnt Tokio als ungerecht ab. Inzwischen hat Russland seine Militärpräsenz auf den Inseln verstärkt und betreibt Wirtschaftsförderung. Die Aussichten für eine Lösung in Tokios Sinne verschlechtern sich.

Schließlich der Umgang mit dem dritten unmittelbaren Nachbarn, Südkorea. Auch hier spielt der ungelöste Gebietskonflikt um die seit 1953 unter südkoreanischer Kontrolle stehenden Dokdo-Inseln eine Rolle, kaum mehr als zwei Felsen im Meer. Japan beansprucht sie, was in koreanischen Medien regelmäßig Anlass zu antijapanischen Kommentaren ist, die stets mit Erinnerungen an die Zwangsprostitution koreanischer Frauen unter dem japanischen Militärregime bis 1945 verbunden werden.

Als nun ruchbar wurde, dass Seoul und Tokio ein Abkommen zum Austausch militärischer Informationen planen, waren die antijapanischen Proteste in der Presse Südkoreas derart stark, dass das Abkommen platzte. Japans Außenminister Gemba hatte es zuvor noch als "historisches Ereignis, das wesentlich zu Japans Sicherheit beiträgt", beschrieben. In Südkorea kommt ein Pakt mit dem Nachbarn, der Anspruch auf koreanisches Gebiet erhebt, selbst für Mitglieder der Regierungspartei von Präsident Lee Myung Bak nicht infrage. Noch immer behindern historische Ressentiments jeden Versuch, die japanisch-koreanischen Beziehungen zu verbessern.

Kooperationen mit Vietnam

Vor dem Hintergrund der Spannungen mit China, der gewohnt schlechten Beziehungen zu Russland und des langen Schattens der koreanischen Kolonialgeschichte richtet Japan den Blick daher nach Südostasien . Insbesondere das aufstrebende Vietnam umwirbt Tokio. Japanische Firmen werden dort ein Atomkraftwerk bauen, und bei einem Treffen am 16. Juli in Hanoi vereinbarten Außenminister Gemba und sein vietnamesisches Gegenüber Pham Binh Minh Kooperation in Sicherheitsfragen, die das Südchinesische Meer betreffen.

Peking freut das nicht. Dass Tokio damit die richtigen Prioritäten setzt, ist zudem fraglich, denn während die Regierung Noda zu Hause unter extrem niedrigen Zustimmungsquoten leidet und Peking sich auf einen Führungswechsel vorbereitet, sind die nationalistischen Versuchungen in beiden Ländern groß. Provokationen von Aktivisten haben beide Regierungen nicht unter Kontrolle. Die umstrittenen Inseln bieten immer wieder Anlass. Zumindest in Japan ist die Politikverdrossenheit hoch wie noch nie.

Japans Außenpolitiker betonen stets, dass die drei erwähnten Gebietsstreitigkeiten nichts miteinander zu tun haben. Was aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen kann, dass es Altlasten sind, die Japan seit dem zweiten Weltkrieg mitschleppt – ohne Aussicht auf eine Lösung. Einstweilen bleiben sie Stolpersteine der Diplomatie, die die friedliche Entwicklung der Region behindern.