Im Norden, wo Bukarest plötzlich seine graubraunen Wohnblöcke, seine Reklametafeln, etwas seiner lauten Geschäftigkeit hinter sich lässt, da liegt der Parcul Modrogan. Ein rundes, grünes Stück altes Bukarest, umgeben von Villen aus Zeiten vor Ceaucescus Regime, dessen Nomenklatura hier einst residierte. Im Hof von Nummer eins, nun die Parteizentrale der bürgerlichen PDL, parken die Übertragungswagen mehrerer rumänischer Sender. Ihre Kameramänner kauern rauchend unter den Bäumen. Bei 42 Grad warten sie auf die Frau, die drinnen im Erdgeschoss ihre Tasche öffnet und seufzend einen Stapel Papier auf den Schreibtisch wirft. Monica Macovei sagt: "Das ist alles einfach unglaublich."

Sie deutet auf die Blätter: Bilder des Bürgermeisters von Constanta, der in Che-Guevara-Uniform zur Wahl geht, hinter ihm ein Pulk von Models in Bikini. Es ist Sonntag und Rumäniens Bürger sollen an diesem Tag in einem Referendum abstimmen , ob ihr Staatspräsident Traian Băsescu sein Amt verlieren soll. Monica Macovei, die ehemalige rumänische Justizministerin, hat inzwischen aufgehört, die Interviews zu zählen, die sie in den vergangenen Tagen gegeben hat.

Die schmale, müde wirkende Frau sitzt in einem provisorisch eingerichteten Büro. Unter den Augen sind dunkle Schatten, die Haare fallen strähnig in die Stirn. Seitdem am 6. Juli der Premierminister Victor Ponta mit Eilverordnungen gegen Băsescu vorging , ist Macovei sehr gefragt. Radiostationen, Zeitungen, Fernsehsendern, allen sagt sie: "Was Ponta gemacht hat, ist nichts anderes als ein Staatsstreich."

Rumäniens Rechtsgewissen

Das ist ihre Ansicht, und es ist die Ansicht vieler Politiker in Brüssel . Sie habe Barroso noch nie so wütend gesehen, sagt Macovei, die seit 2009 Abgeordnete des Europäischen Parlaments ist. Viele in Westeuropa sehen in ihr seit ihrer Zeit als resolute Justizministerin das Rechtsgewissen des Landes. Eine, die gegen die Korruption und Seilschaften im Land vorging, die sich in Rumäniens postkommunistischer Zeit nach 1989 gebildet hatten. Der Schriftsteller Andrei Pleșu bezeichnete sie einmal als "zerbrechlichen Samurai". Als sie 2004 ins rumänische Justizministerium einzog, empfing die EU sie als "Geschenk Gottes". Băsescu hatte die damals parteilose Anwältin geholt, er hatte sich den Kampf gegen die Korruption auf die Fahnen geschrieben.

Zwischen Macoveis Amtszeit und jetzt ist viel passiert. 2007 wurde sie im Ministerium gefeuert, kurz nachdem ihre Reformen erste Ergebnisse einbrachten. Sie trat in die PDL ein, um in Europa weiterzumachen. Viele ihrer in Rumänien ohnehin zahlreichen Kritiker warfen ihr vor, sie habe endgültig ihre Überparteilichkeit aufgegeben. "Ja, wir haben viel Korruption", sagt sie, "in der Regierung, im Parlament, unter vielen Politikern". Politiker, das Wort sagt die heute 53-Jährige so erschöpft, und immer noch so, als gehörte sie nicht dazu. 

Mit solchen Sätzen polarisiert sie. Ihre Gegner halten sie für eine treue Anhängerin von Băsescu, der in seinen zwei Amtszeiten das Land ruiniert habe. Auch ihre rigorose Anti-Korruptionskampagne kam nicht überall gut an. Im Jahr 2006 hatte jemand in ihrer Wohnung alle Gashähne geöffnet. Macovei hatte es noch rechtzeitig gerochen. Über Băsescu sagt sie, ihr passe seine Wortwahl nicht. Mit vielen seiner Äußerungen sei sie überhaupt nicht einverstanden.