Der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hat eine neue globale Führungsrolle der USA angekündigt, sollte er die Wahl gegen Präsident Obama gewinnen . "Ich schäme mich nicht für amerikanische Macht", sagte Romney in einer Rede vor Armeeveteranen im Bundesstaat Nevada. "Dieses Jahrhundert muss ein amerikanisches Jahrhundert sein."

Zugleich übte er massive Kritik an der Außenpolitik Obamas , die er für einen Niedergang des Einflusses der USA verantwortlich machte. "Dieser Präsident hat die amerikanische Führung leider abgeschwächt, und wir ernten die Konsequenzen", sagte Romney. Er hielt Obama vor allem vor, den Verbündeten Israel im Stich gelassen zu haben. Er sprach von einer "schäbigen Behandlung eines unserer besten Freunde".

Romney kritisierte die Sparmaßnahmen bei den Streitkräften – eine Maßnahme, die die nationale Sicherheit gefährde. "Es ist ein Irrtum – und manchmal ein tragischer Irrtum – zu denken, dass Standhaftigkeit in der amerikanischen Außenpolitik nur zu Spannungen in der Welt führen kann", rief Romney unter tosendem Beifall. "Ich werde die amerikanische Führerschaft in der Welt nicht aufgeben", sagte Romney. "Wenn Ihr nicht wollt, dass Amerika die stärkste Nation auf der Erde ist, dann bin ich nicht Euer Präsident."

Vom Iran verlangte Romney einen kompletten Stopp der Urananreicherung. Um einen atomar bewaffneten Iran zu verhindern, werde er "jedes notwendige Mittel" einsetzen, sagte Romney. Allerdings hat auch Obama immer wieder gesagt, Teheran notfalls mit Gewalt am Besitz einer Atombombe zu hindern .

Obama verteidigt außenpolitische Linie

Romney bricht in dieser Woche zu einer sechstägigen Auslandsreise auf. Am Donnerstag wird er in Großbritannien Premierminister David Cameron treffen, am Freitag nimmt er an der Eröffnungszeremonie der Olympischen Sommerspiele in London teil. In Israel will Romney Gespräche mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Präsident Schimon Peres führen, in Polen wird er auf Ministerpräsident Donald Tusk , Präsident Bronislaw Komorowski und den früheren Solidarnosc-Führer und Ex-Präsidenten Lech Walesa treffen.

Mit der ersten Auslandsreise seit seinem Vorwahlsieg will Romney sein außenpolitisches Profil schärfen. In den vergangenen Monaten war ihm wiederholt vorgeworfen worden, sich zu einseitig auf Fragen der Wirtschaftspolitik zu konzentrieren. Ende August soll Romney auf dem Republikaner-Parteitag offiziell zu Obamas Herausforderer gekürt werden. Die Präsidentschaftswahlen finden am 6. November statt.

Obama hatte bereits zuvor, ebenfalls vor Veteranen, seine außenpolitische Bilanz verteidigt . Seine Versprechen vor dem Amtsantritt habe er gehalten, etwa den Krieg im Irak zu beenden, den Abzug aus Afghanistan in die Wege zu leiten und das Terrornetzwerk Al-Kaida zu bekämpfen. "Ihr habt nicht nur meine Worte, Ihr habt auch meine Taten", sagte er.