Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat dem Westen Erpressung vorgeworfen. "Zu unserem großen Bedauern stellen wir Elemente von Erpressung fest", sagte Lawrow vor Journalisten. Die westlichen Partner würden demnach damit drohen, die UN-Beobachtermission nicht weiter zu verlängern, wenn sich Russland weigere der UN-Resolution zuzustimmen. Der russische Außenminister nannte diese Vorgehensweise gefährlich und gab dem Westen zudem eine Mitverantwortung am Bürgerkrieg in Syrien . Eine Stellungnahme der Vereinten Nationen gab es zu diesem Vorwurf nicht.

Es ist ein Angriff auf die westlichen Partner und ein Affront gegen den UN-Sondergesandten Kofi Annan . Der UN-Sondergesandte und der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon wollen am Montag und in den kommenden Tagen Gespräche mit Russlands und Chinas Regierungen führen , um die beiden Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat zu einem gemeinsamen Handeln im Syrien-Konflikt zu bewegen. Die UN-Beobachtermission läuft am 20. Juli aus. In einigen Teilen des Landes musste die Mission aufgrund der anhaltenden Kämpfe abgebrochen werden. Am Veto Russlands und Chinas scheiterten bisher zwei UN-Resolutionen zu Syrien

Russland gilt als Verbündeter der syrischen Führung unter Baschar al-Assad. Zwar empfing Lawrow mehrere syrische Oppositionelle und die russische Regierung verkündete überraschend den Verzicht auf Waffenlieferungen an das Regime in Damaskus . Doch Lawrow verwies auch darauf, dass das Volk selbst über Assads Schicksal entscheiden müsse. Der Präsident habe noch immer die Mehrheit im Land hinter sich, sagte Lawrow.

Unterstützung erhält Russland vor allem von China. "China lehnt eine Einmischung von außen in innere Angelegenheiten ab", sagt Li Guofu, Direktor des Nahost-Zentrums am Institut für internationale Studien in Peking . China hat weniger Interessen in Syrien als Russland, aber die Achse Peking-Moskau spielt für die chinesische Führung eine wichtige Rolle. China und Russland sind strategische Partner, die sich in ihren diversen Konflikten mit dem Westen gegenseitig unterstützen. "Chinas Haltung wird von der Position Russlands abhängen", sagt Cheng Xiaohe, Professor für internationale Beziehungen an der Volksuniversität (Renmin Daxue) in Peking.

Schwere Gefechte in Damaskus

Während die westlichen Diplomaten sich bemühen, eine Lösung im Syrien-Konflikt zu finden, gehen die Gefechte in der Hauptstadt Damaskus weiter.

Aktivisten zufolge fielen in mehreren Vierteln Schüsse. Deserteure und andere Kämpfer der Opposition zeigten sich auf den Straßen. Regimegegner meldeten Gefechte aus den Vierteln Al-Tadhamun, Al-Midan und Al-Sahira. Ihre Angaben waren zum Teil nicht zu überprüfen. Aktivisten veröffentlichten in der Nacht ein Video, das ein Gebiet zwischen den Stadtteilen Kafr Susa und Al-Messe zeigt, in dem Schüsse zu hören sind. "Die Stimmung hat sich sehr verändert", sagte ein Bewohner der Hauptstadt.

Die oppositionelle Muslimbruderschaft berichtete, die Kämpfe hätten bereits mehrere Viertel in der Innenstadt erreicht. Die Islamisten werteten dies als Zeichen dafür, dass der Sturz des Regimes von Präsident Baschar al-Assad bevorstehe. Sie riefen die Bewohner von Damaskus auf, Straßen zu blockieren und Brandbomben auf Fahrzeuge der Sicherheitskräfte zu werfen.