Nach dem Anschlag auf den innersten Führungszirkel von Präsident Baschar al-Assad kommt es in mehreren Vierteln der Hauptstadt Damaskus nach Angaben von Oppositionellen zu Gefechten. Die Aufständischen sprachen von der "Befreiung von Damaskus" . Die meisten Kampfhandlungen konzentrierten sich demnach auf den Süden der Stadt. Die Nachrichtenagentur Reuters meldete Kämpfe in mindestens sechs Vierteln. Auch im staatlichen Fernsehen wurden erstmals Gefechte in der Hauptstadt erwähnt. Journalisten in Damaskus berichteten von Gewehrschüssen und Artilleriefeuer.

In dem Viertel Al-Hadschar al-Aswad sollen Rebellen versucht haben, einen Stützpunkt der Sicherheitskräfte zu stürmen. Nach Angaben von Aktivisten versucht die Freie Syrische Armee, die Kontrolle über die Hauptstadt zu gewinnen. Zahlreiche Familien seien aus Angst vor den Kämpfen und möglichen Militäroperationen der syrischen Armee aus den Vierteln Al-Kabun und Al-Midan geflohen, berichteten Anwohner.

Den Kämpfen war ein schwerer Bombenanschlag auf das Gebäude der Nationalen Sicherheitsbehörde vorausgegangen, in dem ein Spitzentreffen von Ministern und Vertretern der Sicherheitskräfte stattfand. Dabei wurden Assads Sicherheitsberater Hassan Turkmani, Verteidigungsminister Daud Radscheha, dessen Stellvertreter Assef Schawkat – der Schwager Assads – sowie Innenminister Mohammed Schaar getötet. Zahlreiche weitere Mitglieder der Konferenz wurden verletzt.

Die Freie Syrische Armee (FSA) bekannte sich zu dem Anschlag und widersprach Berichten des Staatsfernsehens, nach denen es sich um einen Selbstmordattentäter gehandelt habe. Der Sprengsatz sei in dem Gebäude versteckt gewesen. Nach nicht offiziell bestätigten Informationen des Senders Al-Arabija soll auch der Chef der Ermittlungsabteilung im Allgemeinen Geheimdienst, Hafis Machluf, getötet worden sein.

Einen weiteren Anschlag soll es auf die Kommandozentrale der Vierten Division gegeben haben, die für die Sicherheit des Präsidentenpalastes zuständig ist. Die Eliteeinheit wird von Assads Bruder Maher kommandiert.

Nach dem Tod von Verteidigungsminister Radscheha wurde General Fahad Jassim al-Freij zu seinem Nachfolger ernannt. Die regierungsamtliche Zeitung Al-Thawra verbreitete zudem Durchhalteparolen: "Damaskus ist schwer in die Knie zu zwingen, selbst wenn sich die ganze Welt gegen diese Stadt verbünden sollte."

Der oppositionelle Syrische Nationalrat (SNC) ist trotzdem überzeugt, dass sich das Regime nicht mehr lange an der Macht wird halten können. "Der Sturz des Regimes von Baschar al-Assad ist in greifbare Nähe gerückt", sagte SNC-Sprecher George Sabra. Der SNC sei an der Planung des Anschlages und anderer Operationen der Kämpfer in Damaskus nicht beteiligt gewesen. "Wir sind der politische Arm", sagte er. Die Syrer müssten sich nun auf ihre eigene Kraft verlassen, "auf die revolutionäre Jugend und auf die Freie Syrische Armee".