Die USA und die europäischen Staaten zeigten sich erschüttert über die neusten Meldungen aus Syrien . Die USA bezeichneten die syrische Führung offen als Mörder. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sieht in dem Einsatz schwerer Waffen und Helikopter einen "eklatanten Verstoß" des Regimes gegen die Vereinbarungen des Friedensplans von Sondervermittler Kofi Annan . UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte, sollte die Staatengemeinschaft jetzt nicht handeln, käme dies einer "Lizenz für weitere Massaker" gleich.

Doch es ist unwahrscheinlich, dass den harten Worten auch entsprechende Taten folgen : Zwar drängen die USA und die europäischen Staaten angesichts der eskalierenden Gewalt auf harte internationale Sanktionen durch den UN-Sicherheitsrat . Doch das Gremium ist gelähmt, da die Vetomächte Russland und China ein schärferes Vorgehen ablehnen. China reagierte lediglich mit einer allgemeinen, an "alle relevanten Seiten" gerichteten Forderung, die Gewalt sofort zu stoppen und Zivilisten "ernsthaft zu schützen". Russland ist zudem der wichtigste Verbündete von Syrien und der Waffenlieferant von Machthaber al-Assad. Russland blockiert im UN-Sicherheitsrat Resolutionen, die ein schärferes Vorgehen gegen Damaskus ermöglichen würden.

Rebellen verletzen Menschenrechte

Nach Angaben einer hochrangigen Mitarbeiterin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ist die syrische Regierung in erster Linie verantwortlich für die Gewalt im Land. Doch auch für Menschenrechtsverletzungen durch Rebellen lägen Beweise vor, sagte Donatella Rovera, die kürzlich für Amnesty mehrere Wochen in Syrien verbrachte. So hätten einzelne Aufständische Soldaten gefangen genommen, geschlagen und getötet.

Im Vergleich zum gewaltsamen Vorgehen der Regierungstruppen verblassten die Verstöße allerdings, sagte Rovera. Assads Soldaten hätten ganze Dörfer angegriffen, um den sich ausbreitenden Aufstand zu unterdrücken. Berichte deuteten darauf hin, dass Assad-treue Kämpfer in einigen Fällen Kliniken und Häuser in Brand gesetzt hätten, um Rebellen aufzustöbern. Zunehmend griffen sie auch unbewaffnete Zivilisten an, darunter Ärzte und Krankenschwestern, die verletzte Rebellen behandelten, die nicht in Krankenhäusern aufgenommen worden seien. So seien drei medizinische Assistenten kürzlich festgenommen worden.

"Nach einer Woche wurden ihre Leichen mit eindeutigen Folterspuren gefunden. Ihre Nägel waren herausgerissen, ihr Zähne fehlten ... und die Leichen waren angezündet worden. Damit sollte eine klare Botschaft gesendet werden", schrieb Rovera in ihrem Bericht.

Insgesamt wurden nach Angaben der oppositionellen Beobachterstelle für Menschenrechte seit Beginn des Aufstands mehr als 17.000 Rebellen, Zivilisten und Regierungstruppen getötet. Allein am Samstag seien 33 Menschen getötet worden, mehrere davon durch Armeeangriffe in der Provinz Homs.