Nach Berichten eines Provinzgouverneurs hat ein Mann eine mutmaßliche Ehebrecherin öffentlich hingerichtet. Die Tat habe sich vor etwa einer Woche im Dorf Kimchok in der Nähe der Hauptstadt Kabul ereignet, sagte Gouverneur Basir Salangi der Provinz Parwan. Er bezeichnete den Täter als einen Taliban. Der Nachrichtenagentur Reuters lag ein dreiminütiges Video vor, welches das Verbrechen zeigt. "Als ich das Video sah, musste ich meine Augen schließen... Die Frau war nicht schuldig; die Taliban sind schuldig", sagte Salangi.

Die Aufzeichnung zeigt einen mit einem Turban gekleideten Mann, der unter den Augen von etwa 150 jubelnden Männern fünfmal mit einer Automatikwaffe auf eine am Boden kniende Frau schießt. Ein Beobachter sagt: "Es ist Allahs Befehl, dass sie hingerichtet wird." Angeblich habe die 22-Jährige ein Verhältnis zu einem Kommandeur der Taliban unterhalten. "Seine Kameraden töteten sie, um das Ansehen des Kommandeurs zu wahren", sagte der Gouverneur. Vertreter der Taliban dementierten, in die Tat verwickelt zu sein.

Die afghanische Abgeordnete Fawsia Koofi bezeichnete den Vorfall als riesigen Schritt rückwärts. Zugleich fragte sie, wie es in dieser Menschenmenge so weit kommen konnte. Menschenrechtsexperten beobachten seit einiger Zeit die wachsende Gewalt gegen Frauen am Hindukusch . Als die Taliban von 1996 bis 2001 an der Macht waren, wurden Ehebrecher stets öffentlich hingerichtet.

Frauen war unter der Taliban-Herrschaft fast jede Art der Berufstätigkeit untersagt, das Studium verboten und ihre Bewegungsfreiheit massiv eingeschränkt.