Chinas Polit-Krimi um Mord, Korruption und Geldgier – durchzogen von Machtkämpfen in der politischen Führung – geht in die zweite Runde. Am Donnerstag beginnt der Mordprozess gegen Gu Kailai, die Frau des Ex-Volkshelden Bo Xilai, sowie gegen Zhang Xiaojun, einen persönlichen Assistenten der Familie. Gu und der Gehilfe sollen vergangenen November Neil Heywood, einen britischen Geschäftsmann und Freund des Ehepaars, vergiftet haben. Der in China lebende Brite war in einem Hotelzimmer der südwestlichen Metropole Chongqing tot aufgefunden worden.

Der Prozesstermin ist durch Angehörigen-Anwälte Heywoods bekannt geworden. Das britische Außenministerium erklärte zudem, dass seine Diplomaten dem Prozess beiwohnen dürfen . Laut dem US-Sender CNN können auch zwei Familienmitglieder dabei sein. Das Verfahren ist hochbrisant, war doch Bo Xilai eine Art Polit-Star in China.

Wie politisch aufgeladen der Prozess ist, war bereits in der Verlautbarung der staatlichen und damit mindestens offiziösen Nachrichtenagentur Xinhua zu erkennen. Dort legte man sich schon vor Beginn des Verfahrens fest: Die Beweise gegen Gu und Zhang seinen "unwiderlegbar und umfangreich". Die Ermittlungen hätten ergeben, dass Gu und ihr Sohn Bo Guagua in einem "wirtschaftlichen Interessenkonflikt" mit Heywood gestanden hätten. Xinhua deutete aber auch gleich ein potenzielles Schlupfloch für die angeklagte Frau: Gu Kailai sei in Sorge um ihren Sohn gewesen, denn Neil Heywood hätte ihm gedroht.

Prozess fällt in Zeit des Machtwechsels

Der Grund für diese Andeutung scheint klar, denn der prominenten Politikergattin droht wegen des Mordes die Todesstrafe. Unabhängig vom Grad ihrer Schuld: Eine derart spektakuläre Hinrichtung kann die politische Führung nicht gebrauchen. Parteichef Hu Jintao will in zwei Monaten die neue Führung des Staates auf einem großen Parteikongress inthronisiert sehen – und das soll reibungslos geschehen. Die Führung Chinas durch die Kommunistische Partei will sowohl dem Ausland als auch der Bevölkerung gegenüber souverän und kompetent dastehen. Zudem sind Phasen des Machtwechsels in einem Einparteiensystem , wie China es ist, politisch fragile Zeiten.

In dieses Machtzentrum im Umbruch, den Ständigen Ausschuss des Politbüros, strebte einst auch Bo Xilai, der Mann von Frau Gu. Er war über Provinzposten mächtig geworden – zuletzt in Chongqing, der größten Stadt der Welt – sowie über seine Herkunft. Bo ist der Sohn von Bo Yibo, einst Revolutionär und wichtige Stütze von Deng Xiaoping , dem Vater des chinesischen Aufstiegs. "Prinzlinge" werden in China diese gesellschaftlich wie materiell bevorteilten Kinder des Parteiadels genannt.