Der afghanische Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak ist nach einer verlorenen Vertrauensabstimmung im Parlament zurückgetreten. Er respektiere die Entscheidung der Abgeordneten und ziehe daraus seine Konsequenzen, sagte Wardak. Das Parlament hatte ihm und auch Innenminister Bismillah Mohammadi das Vertrauen entzogen, nachdem am Wochenende mehrere Anschläge auf hohe Regierungsvertreter verübt worden waren.

Die Berufung der Nachfolger für beide Ämter steht noch aus. Präsident Hamid Karsai akzeptierte das Votum des Parlaments gegen die beiden Minister. Er bat Wardak, der die Unterstützung des Westens genoss, und Innenminister Mohammadi, bis zur Benennung ihrer Nachfolger kommissarisch im Amt zu bleiben. Das afghanische Parlament hatte den beiden für Sicherheit zuständigen Ministern vorgeworfen, beim Vorgehen gegen Aufständische und bei den Grenzproblemen mit Pakistan versagt zu haben.

Wardaks Abgang könnte auch die Pläne der Nato erschweren, die Sicherheitsverantwortung bis Ende 2014 vollständig an afghanische Kräfte zu übertragen. Westliche Diplomaten hielten dem ehemaligen Vier-Sterne-General zugute, die Umwandlung der afghanischen Armee in eine zunehmend schlagkräftigere Truppe bewerkstelligt zu haben.

Französischer Soldat getötet

Nordöstlich von Kabul ist ein französischer Soldat am Dienstagmorgen getötet worden. Ein weiterer Franzose sei verletzt worden, schwebe aber nicht in Lebensgefahr, teilte der Elysée-Palast mit. Der Gebirgsjäger sei bei einem Unterstützungseinsatz für die afghanische Armee in der Provinz Kapisa getötet worden. Premierminister Jean-Marc Ayrault sprach hingegen von einem Einsatz gegen Aufständische. Der Unteroffizier ist der 88. französische Soldat, der in Afghanistan ums Leben kam. Die Bundeswehr verlor bisher 52 Mann.

Bei einem Anschlag auf ein Nato-Militärlager südlich von Kabul wurden mindestens 20 Menschen verletzt, darunter drei Nato-Soldaten. Nach Polizeiangaben explodierte vor dem Lager der internationalen Afghanistan-Truppe Isaf in der Provinz Logar ein Sprengsatz, der in einem Lastwagen verborgen war. Die radikalislamischen Taliban übernahmen die Verantwortung für den Anschlag.

Nur wenige Stunden zuvor wurden neun Menschen bei einem Attentat auf einen Kleinbus im Westen Kabuls getötet. Bei den Toten handelte es sich ausschließlich um Männer, die offenbar auf dem Weg zur Arbeit waren. Fünf weitere wurden verletzt. "Terroristen, die Bomben am Straßenrand im heiligen Monat Ramadan platzieren und unschuldige muslimische Zivilisten töten, sind weder Muslime noch Afghanen", sagte Präsident Karsai .

Neuer Zivilbeauftragter der Nato

Der niederländische Diplomat Maurits Jochems wird neuer Zivilbeauftragter der Nato in Afghanistan. Er wird unter anderem für die Arbeit von Wiederaufbauteams und Drogenbekämpfern zuständig sein. Jochems folgt im Oktober dem Briten Simon Gass nach. Er solle den Übergang zu einem souveränen, sicheren und demokratischen Afghanistan begleiten, sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen . Die Berufung komme in einer wichtigen Zeit, in der die Nato weitere Regionen der Sicherheitskontrolle der afghanischen Armee übergebe.

Die Schutztruppe Isaf will ihren Kampfeinsatz mit 130.000 Mann bis Ende 2014 beenden . Soldaten aus dem Westen sollen dann aber weiter in dem Land stationiert bleiben, um afghanische Soldaten auszubilden.