An der Botschaft Ecuadors in London verschärft sich die Lage. Augenzeugen schildern via Twitter, Polizeibeamte hätten einen Fluchtweg besetzt und seien im Foyer des Gebäudes. Hintergrund ist ein Antrag von WikiLeaks-Gründer Julian Assange auf Asyl in Ecuador. Der Australier hatte sich im Juli in die Botschaft geflüchtet und soll noch immer dort sein.

Am heutigen Donnerstag will die Regierung in Quito ihre Entscheidung über den Antrag bekannt geben. Anhänger Assanges sammelten sich aus diesem Anlass auf der Straße vor dem Botschaftsgebäude, befestigten Transparente an einer Absperrung. Über Facebook riefen sie auf, die Botschaft zu besetzen. Polizisten sicherten das Portal am Vormittag mit Zäunen. Beamte in Schutzwesten kontrollieren von der Treppe her die Situation auf dem Gelände.

Die schwedische Justiz hat Großbritannien gebeten, den Gründer der Internet-Enthüllungsplattform an Schweden auszuliefern. Dort soll ihm wegen Sexualdelikten der Prozess gemacht werden. Großbritannien will dem Gesuch nachkommen.

Assange befürchtet jedoch, dass er von Schweden in die USA überstellt werden könnte, wo er ein Verfahren wegen Geheimnisverrat fürchtet. Denn seine Plattform hatte Tausende geheimer Dokumente publiziert, die die Rolle der USA in verschiedenen internationalen Konflikten, unter anderem in Afghanistan und im Irak, offenlegten.

Mehr Polizei als sonst

Die britische Polizei versucht, Assange festzunehmen. Dafür könnte unter anderem der exterritoriale Status der Botschaft in London aufgehoben werden, um einen Polizeieinsatz zu ermöglichen. Ein Eindringen in die ecuadorianische Botschaft lasse sich mit einem Gesetz aus dem Jahr 1987 rechtfertigen, hieß es aus dem Außenministerium. Wie Augenzeugen berichten, haben in der Nacht rund um das Botschaftsgelände mehr Polizisten als sonst Position bezogen.

Der Konflikt hat auch eine diplomatische Komponente: Die Regierung Ecuadors beschuldigte Großbritannien, mit einem Eindringen in die Botschaft gedroht zu haben. Außenminister Ricardo Patiño sagte, die britische Regierung habe "ausdrücklich und schriftlich" mit einem Überfall gedroht, falls die Botschaft Assange nicht herausgebe, wie die Zeitung El Telégrafo berichtete.

Die Haltung der britischen Vertreter bei den laufenden Gesprächen sei "sowohl politisch als auch juristisch unannehmbar", sagte Patiño. Ein Eindringen wäre ein "unverhohlener Verstoß" gegen die Wiener Konvention zu diplomatischen Missionen.

Assanges Mutter ist sauer

WikiLeaks verurteilte die Drohung als "unangemessen" und sprach von einem "beispiellosen Angriff auf die Rechte von Asyl suchenden".

Assanges Mutter Christine reagierte erbost auf die britische Drohung. Sie warf der Regierung vor, auf Geheiß Washingtons zu handeln. "Was die USA wollen, bekommen die USA von ihren Verbündeten, unabhängig davon, ob es legal ist oder ethisch zu vertreten oder ein Verstoß gegen Rechte", sagte sie australischen Journalisten.

Sollte Ecuador Assange Asyl gewähren, wäre allerdings unklar, ob er überhaupt dorthin ausreisen kann. Großbritannien hatte angekündigt, ihn beim Verlassen des Botschaftsgebäudes wegen Verstoßes gegen seine Bewährungsauflagen festzunehmen.